SternZauber von Mona Silver

Der Geruch nach Londoner Regen schwappte zusammen mit den beiden neuen Gästen ins Wonderland Café, als die jungen Frauen lachend und schwatzend den gemütlichen Gastraum betraten. Die britische Hauptstadt litt schon seit fast zwei Wochen unter Dauerregen. Manchmal waberte Nebel durch die Straßen und hinterließ Feuchtigkeit auf allem, was er berührte. Die Frauen entledigten sich ihrer feuchten Mäntel und Schirme an der Garderobe und suchten sich einen Tisch nahe der Glasvitrine an der Stirnseite des Raums. Quillan, der schräg gegenüber auf dem weichen Sofa saß und einen Kaffee trank, tat so als würde er weiter Zeitung lesen, beobachtete die beiden aber über deren Rand hinweg. Während sie Platz nahmen, ließ die kleinere der beiden ihren Blick durch den Raum wandern und checkte wenig unauffällig die bereits anwesenden Gäste ab.
Quillan grinste in sich hinein, als sie Iwan, den Kellner, entdeckte und verstohlen nach dem Arm ihrer deutlich gelassener wirkenden Freundin griff, um ihn sanft zu schütteln. Diese sah ebenfalls zu Iwan hinüber und zuckte dann desinteressiert mit den Schultern, während sie etwas zu ihrer blonden Freundin sagte. Die Blonde war ein klassischer Fall von Vampir-Groupie. Die Aufregung, mit der sie den Raum nach dem Objekt ihrer Begierde absuchte, verriet sie eindeutig. Ihre dunkelhaarige Freundin war nach Quillans Einschätzung eher zur Unterstützung dabei. Vor einiger Zeit war in diversen Fantasy-Foren durchgesickert, dass im Café Wonderland sowohl Bedienung als auch Gäste zum größten Teil übernatürlicher Art seien. Dies hatte einen Run von Touristen auf das bis dahin diskrete Café gegeben. Fast täglich kamen Fans des Übernatürlichen, die sich mit eigenen Augen von der Existenz von Vampiren, Werwölfen und anderen Kreaturen überzeugen wollten. Die meisten Frauen, die hierherkamen, waren besonders auf Vampire versessen, die in der jüngsten Zeit dank einschlägiger Literatur von beängstigenden Monstern zu weltgewandten, begehrenswerten Junggesellen avanciert waren. Quillan hatte keine Meinung zum Glauben an die Existenz solcher Wesen, wer war er, sich anzumaßen, darüber Bescheid zu wissen, was neben ihm noch alles auf dieser Erde lebte? Aber für ihn war die magische Anziehungskraft von Vampiren auf die Damenwelt paradiesisch. Als Bo’othi ernährte er sich normalerweise vom Licht seiner Heimatsterne, deren Energie dafür sorgte, dass seine Alte Seele ihm ein übernatürlich langes Leben schenkte. Leider war das Londoner Wetter nicht hilfreich, der häufige Regen und Nebel erschwerte den Kontakt zu den Sternen, wofür ein klarer Himmel nötig war. Ersatz bot aber zum Glück das Blut von Menschen, das die Energie der Bo’otha-Sterne aufnahm und speicherte. Er war nicht blutrünstig, nicht darauf aus, Menschen zu töten, aber das Trinken ihres Bluts war für ihn nicht nur ein Genuss, sondern in dieser Stadt auch lebensnotwendig. Seine Alte Seele machte ihn nicht nur zu einem Teil des Bo’othi-Volkes, sondern verlieh ihm auch einige besondere Fähigkeiten, die bei den Fans des Vampir-Mythos hervorragend ankamen. Und das hatte er gelernt auszunutzen.
Iwan brachte zwei Cappuccino an den Tisch der beiden Damen und quittierte die auffällig flirtenden Blicke der Blonden mit einem Lächeln und der Frage, ob es noch etwas sein dürfe. Die beiden Freundinnen studierten die Auslage in den Vitrinen und wählten jede ein Stück Gebäck. Iwan verschwand wieder in der Küche, ohne dass das Lächeln auch nur eine Sekunde lang sein fahles Gesicht verlassen hätte. Interessiert folgte ihm die Kleinere mit Blicken, bis er hinter der Tür verschwand.
Quillan faltete seine Zeitung zusammen und ging ebenfalls zu den Vitrinen hinüber, um die Auslage zu betrachten. Das brachte ihn näher zu den beiden jungen Frauen und somit näher an sein Ziel.
„Hast du das gesehen?“, flüsterte die Blonde. „Ich sage dir, er ist ein Vampir!“ Sie griff nach ihrer Tasse und nippte an dem heißen Cappuccino, während sie erneut ihren Blick schweifen ließ und nach möglichen Hinweisen auf paranormale Existenzen forschte. Auch Quillan entging ihrem suchenden Blick nicht, den er geübt ignorierte.
„Ach ja? Und wie genau kommst du darauf? Für mich sieht der aus wie ein ganz normaler Typ.“ Das war die Dunkelhaarige, die eines ihrer langen Beine in einer grazilen Bewegung über das andere legte.
„Hast du nicht gesehen, wie sein Gesicht glänzt?“, wisperte ihre Freundin. „Das ist bestimmt Sonnencreme, sonst könnte er tagsüber gar nicht raus.“
„Pfft, du spinnst ja. Es regnet seit Wochen. Es ist nicht mal hell genug, um die andere Straßenseite zu erkennen, ganz zu schweigen davon, einen Sonnenbrand zu bekommen.“
„Nicht, wenn du ein Vampir bist…“, beharrte die Blonde.
„Gloria, du spinnst wirklich. Glaubst du echt an den ganzen Quatsch, den du da immer liest?“
„Natürlich! Alicia, du wirst es schon sehen, dass ich recht habe! Endlich ist die Zeit gekommen, in der übernatürliche Wesen sich nicht mehr verstecken müssen, nicht mehr wie Schwerverbrecher gejagt werden. Sie leben nur nach ihrer Natur, genau wie … andere Tiere.“
„Tiere?“ Alicia neigte den Kopf und sah ihre Freundin mit einem spöttischen Grinsen an. „Du stehst also auf Tiere?“
„Äh, so meinte ich das natürlich nicht. Ach Mensch! Du weißt doch, was ich damit sagen will!“
Sie stupste ihre Freundin an der Schulter und beide lachten leise.
Quillan wandte sich zu ihnen zu. „Entschuldigen Sie die Störung meine Damen, aber ich bin heute zum ersten Mal hier.“ Eine glatte Lüge, er war fast täglich hier. „Können Sie vielleicht etwas empfehlen?“ Er deutete auf die verschiedenen Kuchen, Cookies und Teilchen und blickte der blonden Gloria dabei bewusst tief in die Augen. Seine ungewöhnliche Augenfarbe, das Gold der Bo’othi, würde wie bei allen Vampir-Groupies seine Wirkung auch bei ihr nicht verfehlen. Das gewinnende Lächeln, das er lange vor dem Spiegel geübt hatte, war ebenfalls ein sicheres Ticket, um ihre Aufmerksamkeit zu erlangen. Er musste nicht einmal seine Fähigkeit der Manipulation nutzen, um Frauen für sich zu gewinnen. Und auch Gloria war da nicht anders. In dem Moment, als sie ihm in die Augen sah, erhellte sich ihr Gesicht und sie stand bereitwillig auf, um neben ihn vor die Vitrine zu treten.
„Ich, ähm, ja. Ja, natürlich. Die hier sind sehr gut!“ Sie zeigte auf die veganen Nussecken, ein doch eher unauffälliges Gebäck inmitten all der zauberhaft dekorierten und farbenfrohen Süßigkeiten. Er musste lachen bei der Vorstellung, dass sie ausgerechnet einem vermeintlich blutrünstigen Vampir etwas Veganes empfahl. Sie selbst war sich der paradoxen Wahl offensichtlich nicht bewusst. Unauffällig gab sie sich Mühe, den Größenunterschied zwischen Quillan und sich auszugleichen, indem sie sich besonders gerade aufrichtete und diskret ihr Dekolleté in Szene setzte. Er schenkte ihr den ersehnten Blick auf die verführerische Spalte zwischen ihren Brüsten bevor er ihr lächelnd dankte.
„Vielen Dank. Dann werde ich die kosten. Ich nehme an, Sie sind häufiger hier?“ Er winkte Iwan, der gerade den Kuchen für die beiden Damen brachte, um seine Bestellung aufzugeben. Gloria, die nun zwischen ihm und Iwan stand, sah mit glühenden Wangen zwischen den beiden Männern hin und her. „Eine dieser köstlichen Nussecken und noch einen Kaffee, bitte“, bestellte er und der Kellner verschwand wieder.
„Wir… Ja. Wir sind öfter hier“, beeilte sich Gloria zu sagen und zeigte auf den freien Stuhl an ihrem Tisch. „Möchten Sie sich nicht zu uns setzen?“
Quillan entging nicht der genervte Blick ihrer Freundin Alicia, die stumm versuchte, Gloria davon abzuhalten, ihn an ihren Tisch zu holen. Sie wurde von ihrer Freundin diesbezüglich ignoriert und auch er tat, als habe er nichts bemerkt. Er nahm den beiden Frauen gegenüber Platz und schlug sein Jackett auf. Eleganz gehörte zu dem ganzen Vampir-Spiel genauso dazu wie die Sache mit dem Blut. Die Damenwelt stand auf Gentleman-Vampire und seine Kleidung war sorgfältig ausgewählt, um in das Klischee des weltmännischen Charmeurs zu passen. Ein dunkler Anzug aus edlem Stoff, das lässig-elegante helle Hemd und der offene Kragen, der graumelierte Schal, der locker um seinen Hals hing, noble Schuhe aus Glanzleder. Alles zusammen schrie „Mir gehört die Welt“ und war der Stoff, aus dem die feuchten Träume seiner Groupies waren. Er war sich der Blicke seiner neuesten Bekanntschaft Gloria bewusst und lächelte sie gewinnend an. Bis er auf Alicias Blick stieß, die anders als ihre Freundin, wenig begeistert aussah. Dass sie nicht zu den Groupies gehörte, war ihm von Anfang an klar gewesen, aber dass sie dermaßen kühl auf ihn reagierte, war ungewöhnlich. Sie war attraktiv, obwohl dieses Attribut den fein geschnittenen Zügen und ihrer atemberaubenden Figur kaum gerecht wurde. Sie war nicht zwingend schön und makellos wie ein Model, aber irgendetwas an ihr zog ihn an.
„Sind Sie hier im Urlaub?“, fragte Gloria nun und bemühte sich um ein Gespräch. Quillan riss sich von der Faszination Alicias los und schenkte ihrer Freundin ein strahlendes Lächeln.
„Ich besuche einen guten Freund, den ich lange nicht gesehen habe. Leider muss er arbeiten, sodass ich London allein unsicher machen muss.“
„Oh, das ist aber schade, nicht wahr Alicia?“ Gloria sah ihre Freundin um Zustimmung heischend an. Die quälte sich ein Lächeln ab und nickte stumm.
Als seine Nussecke gebracht wurde, rückte er näher an den Tisch heran und stieß dabei scheinbar zufällig an Alicias Knie. Diese sah kurz zu ihm hoch und bedachte ihn mit einem bösen Blick. Allen Charme in sein Lächeln legend, entschuldigte er sich bei ihr und versuchte, ihre Augen mit den seinen festzuhalten, doch sie sah sofort wieder auf ihren Teller und aß weiter.
„Wir wollen heute Abend noch ein wenig ausgehen. Möchten Sie uns nicht begleiten?“, schlug Gloria aufgeregt vor. Zwischen Alicias sanft geschwungenen Augenbrauen entstand eine kleine Furche, die genauso schnell verschwand, wie sie aufgetaucht war. Sie sagte nichts. Für Quillan, der in den letzten Tagen oft genug leichtes Spiel bei den Damen gehabt hatte und somit nicht dringend auf einen weiteren Erfolg angewiesen war, wurde sie dadurch nur noch interessanter. Während ihre Freundin Gloria ihm beim kleinsten Fingerzeig seinerseits bedenkenlos in die Arme gesunken wäre, weckte Alicia in ihm die Lust, sie zu erobern.
„Das wäre ja – fantastisch! Aber ich möchte mich nicht aufdrängen, wenn Sie beide …“
„Nein, nein, ganz und gar nicht“, unterbrach ihn Gloria. „Ich bin übrigens Gloria und das hier ist meine Freundin Alicia.“
„Quillan. Quillan Kane“, stellte er sich vor und deutete eine Verbeugung an.
„Nett Sie kennenzulernen, Quillan. Das klingt irisch, habe ich recht?“, fragte Gloria und schob sich ein Stück Apfelkuchen in den Mund.
Er nickte. „Ja, ich wurde in Irland als Sohn armer Landarbeiter geboren.“
Alicia sah hoch und blickte ihn spöttisch an. „Gibt es so etwas wie ‚arme Landarbeiter‘ in der heutigen Zeit überhaupt noch?“ Die Äußerung brachte ihr unter dem Tisch einen Seitenhieb ihrer Freundin ein, die sofort für Quillan in die Bresche sprang.
„Alicia! Natürlich gibt es so etwas, wenn Quillan das sagt. Warum sollte er lügen?“
„Außerdem bin ich viel älter, als ich aussehe“, fügte er erklärend hinzu und warf ihnen einen vielsagenden Blick zu. Gloria hielt für eine Millisekunde den Atem an, doch er redete nicht weiter, sondern aß ein weiteres Stück Nussecke. Ihre Fantasie würde den Rest der Geschichte für ihn zu Ende erzählen.
„Gloria, wir müssen langsam gehen, du weißt doch, wir haben noch was vor.“ Alicia hatte ihren Pfirsichkuchen aufgegessen und den letzten Schluck Kaffee getrunken. Gloria hatte ihren Kaffee bislang kaum angerührt und starrte fassungslos auf ihren noch vollen Teller. Mit den Augen bedeutete ihr Alicia, sich zu beeilen, doch ihre Freundin schüttelte energisch den Kopf.
„Ne, Ali. Ich bin doch nicht auf der Flucht. Du hast mir versprochen, mit mir hierher zu kommen, jetzt lass es mich auch genießen.“
Sich geschlagen gebend ließ sich Alicia gegen die Rückenlehne ihres Stuhls fallen und seufzte.
„Wenn ihr jetzt los müsst, könnten wir uns vielleicht heute Abend wieder treffen. Sagen wir um neunzehn Uhr am Leicester Square in Soho? Es gibt da einen netten kleinen Club, nicht zu überlaufen, gute Live-Musik ab acht“, bot Quillan an.
„Das ist doch eine großartige Idee!“, stimmte Gloria freudig zu ehe ihre Freundin Gelegenheit hatte, anders darauf zu antworten.
„Woher weißt du denn, dass es den gibt? Warst du doch schon mal in London?“, fragte Alicia spitz.
„Nein, aber mein Freund hat mir davon erzählt, vielleicht kommt er sogar mit. Wäre das okay für euch?“
„Ist er auch ein … ?“ Gloria unterbrach sich im letzten Moment selbst und sah ihn unsicher an. Quillan lächelte ihr beruhigend zu und nickte fast unmerklich. Sollte sie daraus machen, was sie wollte. „Ich meine… Ja, klar, bitte ihn ruhig mitzukommen. Das passt doch prima!“
„Okay, ich frage ihn. Ich bin sicher, er käme gerne mal wieder unter die Leute, falls er frei bekommt.“
Alicia kräuselte die Stirn. „Was für ein Job könnte ihn denn davon abhalten, abends in einen Club zu gehen?“
„Er ist Arzt in der Notfallaufnahme, macht viele Nachtschichten und wenn er heimkommt ist er völlig k.o. Das viele Blut macht ihm oft zu schaffen.“ Bei der Erwähnung von Blut schickte er erneut einen vielsagenden Blick über den Tisch und Glorias Augen wurden groß.
„Oh weh, das kann ich mir vorstellen.“ Sie nickte verständnisvoll und griff nach seiner Hand, die neben der Kaffeetasse auf dem Tisch lag. Er ließ sie gewähren, sah aber weiter Alicia an.
„Also gut. Dann machen wir das“, erklärte diese großzügig. „Aber nur, weil du so gerne hin willst.“ Sie sah Gloria aufopfernd an.
Quillan lächelte sein breitestes Lächeln und schob sich das letzte Stück Gebäck in den Mund. „Na prima! Ich freue mich schon.“ Er winkte dem Kellner und bat um die Rechnung, die er trotz des höflichen Protests der beiden Frauen allein bezahlte. „Ich mag selbstbewusste Damen, die für sich selbst sorgen können, aber ich lasse es mir nicht nehmen, gewisse Höflichkeitsformen beizubehalten“, erklärte er galant und überließ Iwan ein großzügiges Trinkgeld. Der grinste und zwinkerte ihm beim Fortgehen kurz zu. Auch ihm waren die Groupies nicht fremd.

***

Der Regen hatte nachgelassen als Quillan und Ruben in der Nähe des Leicester Square aus dem Taxi stiegen. Ruben war in Wirklichkeit sein Nachbar und wusste nichts von Quillans wahrem Wesen. Er kam gerne mit auf die Pirsch. Wenn es darum ging Frauen aufzureißen, war er für alles zu haben. Die Vampir-Masche lag ihm und er war bereits geübt darin, den aufopferungsbereiten Notarzt zu mimen, der die Liebe zu den Menschen über seinen quälenden Blutdurst stellte.
„Alicia gehört mir“, erklärte Quillan bestimmt, als das Taxi sich wieder in den Verkehr einfädelte und sie beide zum verabredeten Treffpunkt losgingen. „Sie ist etwas Besonderes.“
Ruben grinste. „Okay, soll mir recht sein.“ Er steckte das Wechselgeld in die Hosentasche. Auch er hatte sich zurechtgemacht für einen stilechten Abend unter Vampiren. Schwarz war die Farbe der Wahl, was sie beide blasser erschienen ließ und so zum gewünschten Bild passte.
Quillan hatte den förmlichen Anzug gegen eine perfekt sitzende Jeans und ein schwarzes Hemd getauscht, eine Kombi, die ihm einen coolen Look verlieh. Wie schon am Nachmittag ließ er den Hemdkragen unter dem Sakko lässig offenstehen. Gegen die kühlen Nachttemperaturen hatte er sich einen dunklen Kurzmantel übergeworfen. „Also los.“
Alle vier erreichten zeitgleich den vereinbarten Treffpunkt und Quillan stellte Ruben den beiden Frauen vor. Glorias Faszination wechselte fast augenblicklich zu Ruben, was nicht ganz ohne Quillans Hilfe geschah. Das kurze Aufblitzen seiner goldenen Augen wurde von der Nacht und dem durch Regentropfen diffusen Licht der Straßenlaternen verschluckt. So fiel es nicht auf, dass er seine Fähigkeit, Menschen zu beeinflussen, einsetzte. Unbemerkt manipulierte er Glorias Gedanken so, dass Ruben ab sofort der schönste Vampir weit und breit für sie war. Sie hakte sich bereitwillig bei seinem Freund unter und unterhielt sich angeregt mit ihm. Vergessen waren Alicia und Quillan, die dem Paar mit einigem Abstand folgten.
„Wow, Ruben scheint ganz ihr Typ zu sein“, stellte er fest und bot Alicia seinen Arm an. Diese ignorierte das und schritt weiter neben ihm her.
„Jeder blasse Kerl in schwarzer Kleidung ist ihr Typ“, erwiderte sie trocken.
„Und wie sieht dein Typ aus?“
Sie sah zu ihm, musterte ihn von oben bis unten, zuckte dann die Schultern. „Keine Ahnung, ich habe kein festes Beuteschema.“
Wie leicht hätte Quillan sie dazu bringen können zu glauben, dass sie sich unsterblich in ihn verliebt hätte. Doch er wollte es aus eigener Kraft schaffen. Diese Frau hatte ohne es zu ahnen seinen Ehrgeiz geweckt und er nahm die Herausforderung an.
„Dann habe ich also doch noch eine Chance?“, fragte er ohne Umschweife.
Sie schnaubte und versuchte, ein kurzes Lachen dahinter zu verstecken. „Mit dieser Vampir-Nummer hast du jedenfalls keine Chance bei mir. Ich glaube nicht an die Existenz unsterblicher Wesen, die immer und überall können, wenn sie nicht gerade von ihrem Blutdurst abgelenkt werden oder Jungfrauen in Nöten retten.“
Nun war er es, der lachte. „Okay, verstanden. Ich verspreche, ich werde ab jetzt ehrlich sein.“
Sie waren vor dem Club angekommen und betraten den Gastraum, wo sie sich ihrer Mäntel entledigten. Quillan erkundigte sich, was sie trinken wollten.
Gloria wünschte sich einen Mint Julip, Alicia wählte einen Cosmopolitan und als Ruben an der Reihe war, sagte dieser mit tiefer Stimme: „Einen Bloody Mary, bitte.“ Dabei betonte er das ‚Bloody‘ und nickte Quillan kaum merklich, aber doch so, dass Gloria es sehen musste, zu. Die Strategie funktionierte jedes Mal. Gloria bekam große Augen und starrte ihren vermeintlichen Vampir fasziniert an.
Natürlich war der Drink, den Quillan schließlich von der Bar zurückbrachte, ein ganz normaler Cocktail, doch bereits die Erwähnung von Blut in irgendeiner Form sorgte bei Rubens Begleitung für Entzücken. Schon bald rückten die beiden immer näher zusammen und was immer Ruben seiner Eroberung ins Ohr flüsterte, blieb das Geheimnis zwischen ihnen beiden.
„Das ging ja diesmal besonders schnell“, wunderte sich Alicia, die ihre Freundin mit leichtem Befremden beobachtete.
„Lass sie ruhig. Ruben ist in Ordnung.“
„Bis auf diese Vampir-Masche.“
„Die ist dir wirklich ein Dorn im Auge, oder?“
„Grundsätzlich ist es mir egal, aber wenn ich sehe, dass meine Freundin darauf reinfällt, dann ja.“ Energisch stellte Alicia ihr Glas zurück auf den Tisch. Der Club begann sich zu füllen und es wurde lauter. Quillan nutzte die Gelegenheit, näher an sie heranzurücken. Alicia ließ es geschehen.
„Glaubst du kein bisschen an das Übernatürliche?“, fragte er interessiert.
„Wer bitte glaubt denn ernsthaft an so einen Unsinn?“
Er zuckte langsam mit den Schultern. „Schaust du keine Filme oder liest Bücher, in denen fantastische Dinge geschehen?“
„Doch, natürlich. Aber es ist eben nur Fantasie. Ein Zeitvertreib. Wieso interessiert dich das?“
„Ich möchte dich kennenlernen, wissen, was dich umtreibt, was dich fesselt. Ist das so ungewöhnlich bei einem Date?“
„Nein, sicher nicht.“ Sie nippte an ihrem Drink und verzog dabei leicht das Gesicht.
„Schmeckt er nicht?“, erkundigte er sich, bereit, ein neues Getränk zu besorgen.
Alicia verzog den Mund zu einem schiefen Grinsen. „Um ehrlich zu sein, ich mochte Cocktails noch nie so richtig. Ich habe ihn bloß bestellt, weil ich dachte, das sieht besser aus.“
„Besser als was?“
Nun grinste sie. „Als ein simples Bier.“
Er lachte. „Glaub mir, Ruben mag seine Bloody Mary genauso wenig.“ Nun lachten sie gemeinsam und er winkte einem Kellner, um Bier für sie beide zu bestellen. Die Live-Band hatte mittlerweile ihre Vorbereitungen beendet und begann ein erstes, ruhiges Lied zu spielen. Quillan erhob sich und streckte Alicia die Hand hin. „Möchtest du tanzen?“
Etwas erschrocken blickte sie zur leeren Tanzfläche, stimmte dann aber doch zu. Auf dem Weg dorthin erklärte sie leise und etwas unbeholfen, dass Tanzen nicht zu ihren größten Stärken gehörte.
„Mach dir keine Sorgen. Lass dich einfach von mir führen.“ Tanzen konnte er. Schließlich stammte er aus einer Zeit, als der Tanz noch die einzige Möglichkeit bot, einer Frau näher als bis auf einen Meter Abstand zu kommen. Nach wenigen vorsichtigen Schritten gab sich Alicia schließlich seiner Führung hin und sie glitten harmonisch über das Parkett, das sich zunehmend auch mit anderen Tanzpaaren füllte.
„Wow, für einen armen Landarbeitersohn tanzt du fantastisch. Ich weiß gar nicht, woher ich diese Schritte alle kann.“
„Ich war nicht mein ganzes Leben ein armer Landarbeitersohn“, erwiderte er. „Über die Jahre habe ich mich hochgearbeitet.“
„Wo in Irland bist du genau geboren?“
„Galway. 1842.“
Die Zahl brachte Alicia ins Stolpern und er fing sie galant auf, ehe sie ins Taumeln geraten konnte. „Ja, klar. Ich dachte, das hätten wir jetzt hinter uns.“
„Was wäre, wenn ich es dir beweisen könnte?“
„Kannst du nicht.“
„Ist das eine Herausforderung?“
Sie musterte ihn skeptisch, während er sie zielsicher über das Parkett steuerte. Andere Tanzpaare machten ihnen bereitwillig Platz, als er sich mit großen Schritten dem neuen, schnelleren Song anpasste, den die Band angestimmt hatte. „Also gut. Überzeuge mich!“ Ihre Antwort kam überraschend, aber er freute sich darüber, endlich ihr Interesse geweckt zu haben. Er machte sich keine Sorgen darüber, dass er im Begriff war, einem Menschen das Geheimnis seines Volkes zu verraten. Schließlich konnte er es sie jederzeit wieder vergessen lassen. Und das neue Fürstenpaar hatte die alten Regeln ohnehin gelockert.
„Wenige Jahre nach meiner Geburt am fünften Mai 1842 brach in Irland die große Hungersnot aus. Viele Iren flohen ins Ausland. Die Armut derer, die wie wir dort blieben, wurde immer größer.“ Das Lied endete und er führte sie zurück zu ihrem Tisch.
„Das könntest du aus jedem Geschichtsbuch haben“, stellte Alicia nüchtern fest.
„Das stimmt, aber das gilt nicht für das, was als nächstes passierte.“
Sie lehnte sich auf ihrem Stuhl zurück und sah ihn erwartungsvoll an.
„1847 stand meine Familie vor dem Nichts. Die Kartoffelernte war erneut verdorben und ich, als ihr einziges Kind, drohte an Hunger zu sterben. Die Schmerzen, die Hunger auslösen, kann sich niemand vorstellen, der sie nicht selbst erfahren musste und meine Eltern waren verzweifelt. Eines Tages kam ein Mann zu ihnen, er war elegant gekleidet, hatte das Auftreten eines Gentleman, und seine Augen hatten die Farbe puren Goldes.“ Für einen kurzen Moment hielt er inne und ließ die Farbe seiner eigenen Augen auf sie wirken. Alicia sagte nichts, rückte jedoch interessiert näher. „Dieser Mann machte meinen Eltern das Angebot, mich kurz vor meinem fünften Geburtstag zu sich zu nehmen und rettete mir damit das Leben. Meinen Eltern finanzierte er die Überfahrt nach Amerika, wo sie ohne mich ein neues Leben beginnen sollten.“
„Wie grausam. Warum hat er dir nicht auch eine Überfahrt geschenkt? Wie konnte er ein Kind von seinen Eltern trennen?“
Quillan lächelte. Alicia begann schon zu vergessen, dass sie ihm eigentlich nicht hatte glauben wollen. Er fuhr fort. „Ich hätte die Überfahrt nicht überlebt. Der Hunger hatte mich schon zu sehr geschwächt. Außerdem brauchte er mich.“
„Er brauchte dich? Wozu?“ Seine Geschichte zog sie dermaßen in seinen Bann, dass sie fast vergaß, die Bierflasche auf den Tisch zurück zu stellen.
„Er wollte, dass ich sein Na’ifh werde. Sein Kind. Ein Kind des Volkes der Bo’othi.“
Ihr Lachen kam so überraschend für ihn, dass er für einen kurzen Moment zurückschreckte. „Ja klar“, rief sie amüsiert. „Netter Versuch.“ Sie prostete ihm mit ihrer Flasche zu und er erwiderte die Geste.
„Es ist wahr“, betonte er, nachdem er getrunken hatte.
„Soso. Und was genau ist ein Bo’othi?“
Sehr gut. Sie ließ ihm trotzdem die Gelegenheit, weiterzuerzählen. Ganz hatte er sie noch nicht verloren. „Wir sind Träger Alter Seelen eines uralten Volks. Um ihr Überleben zu sichern, benötigen sie Menschen, deren Geburtsdatum die nötige Konstellation der Bo’otha Sterne garantiert. Dafür erhalten diese Menschen Fähigkeiten, von denen sie sonst nur träumen könnten.“
Alicias betont langsames Nicken und die zusammengepressten Lippen drückten deutlich ihren Spott aus und die erhobenen Augenbrauen stellten stumm die Frage, welche Fähigkeiten dies wohl sein könnten.
„Offensichtlich lebe ich sehr viel länger als ein normaler Mensch, sonst wäre ich heute nicht hier.“
„Na, wenn das nicht überzeugt.“ Sie lachte und auch wenn sie es als neckisches Spielchen betrachtete, nutzte er die Gelegenheit, weiter zu sprechen.
„Krankheiten und Verletzungen werden durch meine Alte Seele sofort geheilt. Ich altere nicht, solange ich sie in mir trage.“
„Wie praktisch. Ein echter Jungbrunnen also. Du solltest damit an die Öffentlichkeit gehen. Du könntest Millionen verdienen.“ Langsam schien ihr das Thema Spaß zu machen, auch wenn sie noch lange nicht überzeugt schien.
„Ich kann Menschen manipulieren. Ich lasse sie Dinge tun oder sehen wie ich es will.“
„Und gerade möchtest du, dass ich einen Fantast sehe, der sich lustige Geschichten ausdenkt?“ Alicias Lachen war ansteckend.
„Nein, das ist es, was du sehen möchtest.“
„Na los, dann zeig es mir. Lass mich etwas sehen, was gar nicht da ist.“
Er schüttelte den Kopf. „Das würde nichts bringen.“
„Wieso?“
„Weil du es dann sehen würdest und es für dich genauso echt wäre wie alles, was du jetzt siehst.“
„Das ist natürlich blöd jetzt, also für dich.“ Sie zeigte mit dem Finger auf ihn und krümmte sich vor lachen. Ihre gute Laune riss auch ihn mit. „Was kannst du noch?“
„Ich könnte dich heilen, wenn du verletzt oder krank wärst.“
„Super! Ich komm drauf zurück, für den Moment geht es mir allerdings gut. Also wieder kein Beweis.“ Ihre Augen funkelten ihn triumphierend an und er lachte leise. Langsam kamen sie den Dingen näher, die er einfacher beweisen könnte, die er jedoch vor allen Leuten hier im Club niemals anwenden würde.
„Menschliches Blut ist voller Sternenkraft, die meine Alte Seele benötigt, um zu funktionieren. Wenn ich es trinke, tanke ich Energie.“
„Bestell dir doch auch einen Bloody Mary.“ Sie grinste.
„Ich könnte uns jetzt sofort irgendwohin teleportieren, wo wir alleine sind“, sagte er schließlich nach einer langen Pause, in der sie sich gegenseitig herausfordernd in die Augen geschaut hatten.
„Na los! Zeig’s mir!“
„Nicht hier, nicht vor all diesen Menschen“, erklärte er. Gespielt erschrocken warf sie die Hand vor den Mund.
„So eine Überraschung!“ Lachend suchte sie nach ihrer Handtasche. „Ich weiß nicht was es ist, aber du hast mich überzeugt. Deine Masche funktioniert. Lass uns woanders hingehen, wo es ruhiger ist.“ Damit stand sie auf und streckte ihm vielversprechend die Hand entgegen.
Gloria blickte sich fragend um, sie und Ruben waren in eine tiefe Umarmung versunken und hatten die Welt um sich herum vergessen. „Gehst du schon?“, fragte sie.
„Ja. Aber nicht allein“, antwortete Alicia und zog Quillan von seinem Stuhl. „Wir telefonieren morgen, okay?“ Damit ließen sie ihre Freunde zurück und verließen den Club.
Draußen hielt Quillan sie kurz zurück. „Willst du das wirklich?“, fragte er.
Sie drehte sich zu ihm um und ließ sich näher an ihn ziehen. „Ja. Ich will das wirklich. Es tut mir leid, dass ich am Anfang so eine Zicke war. Ich habe in der letzten Zeit ein paar blöde Erfahrungen gemacht, aber ich glaube, du bist gar nicht so ein Idiot wie ich anfangs dachte. Ich muss lernen, wieder mehr Vertrauen zu haben und ab und zu auch mal ein Risiko einzugehen.“
Quillan lächelte zufrieden. „Wo wohnst du?“, fragte er.
„Battersea, Worfield Street. Mit dem Taxi eine knappe halbe Stunde.“ Sie wollte an den Straßenrand treten, um einen Wagen anzuhalten, doch er hinderte sie daran.
„Es wird Zeit, dass ich dir zeige, wer ich wirklich bin“, sagte er leise und für einen kurzen Moment flammte so etwas wie Angst in ihren Augen auf. Schnell legte er beruhigend eine Hand auf ihren Arm. „Keine Sorge, es wird anders sein, als du denkst. Vertrau mir.“
Noch bevor sie etwas erwidern konnte, sammelte er die Energie, die er benötigte, um sie beide zu teleportieren. Seine goldenen Augen begannen so stark zu leuchten, dass sie sich in den Messingknöpfen auf ihrem Mantel spiegelten. Und nur den Bruchteil einer Sekunde später materialisierten sie sich in der Worfield Street, gegenüber dem Eingang zum Battersea Park. Alicia schwankte einen kurzen Moment und klammerte sich an ihm fest, um nicht zu stürzen, ehe sie sich verwirrt umsah.
„Wie …?“ Sie keuchte.
„Glaubst du mir jetzt?“, fragte er gelassen und stützte sie sanft, ohne sie zu bedrängen.
„Das … Hier … Das warst du?“
Er nickte.
„Aber …“
„Alles was ich dir erzählt habe, entsprach der Wahrheit. Das passiert nicht oft in Gegenwart von Menschen, aber heute Abend habe ich wie versprochen kein einziges Mal gelogen.“ Er ließ sie los und trat einen Schritt zurück, damit sie ihn ansehen konnte. Es hatte aufgehört zu regnen und ein leichter Wind hatte die letzten Wolken davon gejagt.
„Und die Sache mit den Vampiren?“, fragte sie atemlos.
Er schüttelte den Kopf. „Soweit ich weiß, gibt es keine Vampire, wobei ich mich in dieser Welt voller fantastischer Möglichkeiten gerne eines Besseren belehren lasse.“
„Warum dann dieses Getue?“
„Es macht vieles leichter. Gerade in London brauche ich Menschenblut, auch das war nicht gelogen.“
Sie machte einen großen Schritt zurück, um Abstand zwischen ihn und sich zu schaffen.
„Keine Angst, ich trinke kein Blut, das mir nicht freiwillig angeboten wird. Darum gebe ich mich ja als Vampir aus. Seit die modern geworden sind, ist es sehr einfach, freiwillige Spender zu finden.“
„Das ist … abstoßend.“ Ihr angewiderter Blick besorgte ihn. Würde er sie trotzdem halten können oder war jetzt alles verloren?
Er sah betreten zu Boden. „Ja, das ist es wohl. Leider komme ich gegen meine Vorlieben nicht an. Vielen Bo’othi reicht es, das Licht unserer Heimatsterne zu trinken. Ich gebe zu, dass ich dem menschlichen Blut verfallen bin. Es hat eine solche Stärke … ist so intensiv … so magisch. Ich kann mich nicht dazu bringen, darauf zu verzichten.“
„Aber es ginge auch anders?“
Er nickte und deutete auf den Eingang des Parks. „Darf ich es dir zeigen?“
Sie folgte seinem Finger und blickte zum Battersea Park hinüber, der jetzt in der Nacht in Dunkelheit lag, umgeben von den Lichtern der Stadt. „Da drin?“
„Ja. Ich weiß, es ist viel verlangt. Du kennst mich kaum. Aber du würdest mir eine große Freude bereiten, wenn du mich begleiten würdest.“
„Geht das nicht auch hier?“
Er schüttelte den Kopf. „Nein, es muss wirklich dunkel sein.“
Sie holte tief Luft und sah ihn prüfend an. „Wenn alles das, was du heute gesagt hast, wirklich stimmt, dann könntest du mich ohne weiteres dazu bringen, dir in den Park zu folgen. Auch ohne meine Zustimmung und ohne, dass ich es überhaupt merken würde.“
„Das stimmt“, gab er zu.
„Dass du es nicht tust, spricht dafür, dass du nichts Böses im Schilde führst.“
„Das heißt, du glaubst mir?“
„Nach dem, was du gerade hier“, sie deutete auf sich und die Umgebung, „geleistet hast … Bleibt mir da etwas anderes übrig?“
Sein leises Lachen drückte Zustimmung aus.
„Also gut. Lass uns gehen.“

***

Sein Herz klopfte wie das eines kleinen Schuljungen, dessen Traummädchen gerade seine Frage Willst du mit mir gehen mit Ja beantwortet hatte. Irgendetwas war an Alicia, das ihn berührte, das sie zu etwas Besonderem für ihn machte. Was er nun tat, hatte er noch nie in seinem ganzen Leben getan. Er zog sie mit sich und lief auf den Park zu. Der Kies knirschte unter ihren Füßen und sie hatte Mühe, ihm auf ihren hochhackigen Schuhen zu folgen. Also legte er einen Arm um sie und teleportierte sie erneut. Diesmal nur ein kurzes Stück, tiefer in den Park hinein, wo kaum noch das Licht der Stadt zu ihnen durchdrang.
Die Luft roch rein und klar, so als habe der vergangene Regen allen Schmutz und Staub fortgespült. Der Sternenhimmel über ihnen funkelte, ein seltener Anblick in London und für ihn so etwas wie ein Zeichen. Vielleicht war dies die Frau seiner Träume, die er schon ewig vergeblich suchte. Vielleicht zeigten sich die Sterne heute gerade deshalb, um ihm dies zu beweisen. Schweigend stellte er sich hinter sie, sodass sie sich mit dem Rücken gegen seine Brust lehnen konnte und schlang die Arme um sie. „Keine Angst, dir wird nichts geschehen“, flüsterte er in ihr Ohr.
Dann hob er das Gesicht zum Himmel und breitete die Arme aus, ohne den Körperkontakt zwischen ihnen zu unterbrechen. Sein Blut begann ihm in den Ohren zu rauschen und das ihm wohlbekannte Sirren des herabschießenden Sternenlichts kam von Sekunde zu Sekunde näher. Als die ersten Lichtstrahlen seine Augen trafen, nahm er deren Energie in sich auf und leitete sie gleichzeitig an Alicia weiter, die für die Dauer eines Lidschlags an seiner Brust erstarrte. Sobald sie sich an das kribbelnde Gefühl gewöhnt hatte, entspannte sie sich und wurde ruhig. Ihr Pulsschlag verlangsamte sich und sie genoss das Schauspiel mit allen Sinnen, die ihr zur Verfügung standen. Während das Licht seiner Heimatsterne um sie herumwirbelte und Funken schlug, zeigte er ihr als letzten Beweis seiner Ehrlichkeit Bilder aus seiner Kindheit. Zusammen mit seinen Gefühlen ergaben sie in ihrem Kopf und in ihrem Herzen eine vollständige Erinnerung, die sich niemand ausdenken konnte. Langsam ließ er die Arme sinken und griff nach ihren Händen, die sie an die Brust zog und dankbar drückte.
Als der letzte Lichtstrahl erloschen war, drehte sie sich in ihrer Umarmung zu ihm um. Er wusste, was sie nun sah: Seine goldenen Augen, die intensiv leuchteten. Pupillen, die in Form eines Sterns mit seinem und ihrem Herzschlag im Gleichklang pulsierten. Der sanfte Schimmer, der auf seiner Haut nachglühte, ein letzter Rest des Sternenlichts, das in Kürze gänzlich von ihm aufgesogen sein würde.
Sie hob eine Hand und streichelte seine Wange. „Das war wunderschön“, flüsterte sie, ehe sie sich auf die Zehenspitzen stellte, um ihn zu küssen. Die Funken, die nun sprühten, kamen nicht von den Sternen, sondern aus seinem Herzen.

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Mona hat mich gebeten, eine vegane Variante zu versuchen und ich finde, dass die Nussecken richtig genial schmecken. Werde ich bestimmt noch mal versuchen.

Vegane Nussecken

Zutaten für den Teig:
300 g Mehl
100 g Zucker
1 Pck. Vanillezucker
2 EL Leinsamen (für den Ei-Ersatz)
30 ml heißes Wasser (für den Ei-Er

satz)
130 g vegane Margarine
1 TL Backpulver

Zum Bestreichen:
7 EL Aprikosenmarmelade

Für den Belag
200 g Zucker
200 g vegane Margarine
2 PC. Vanillezucker
4 EL Wasser
200 g Mandeln, gehackt
200 g Haselnüsse, gehackt
+
1 Tafel vegane Schokolade

Zubereitung:

Vegane Nussecken Zuerst den Ei-Ersatz herstellen: Den Leinsamen mit dem heißen Wasser vermischen und die Mischung mit dem Mixstab pürieren (wird klebrig). Den Ei-Ersatz mit den restlichen Teigzutaten vermischen und alles mit dem Handrührgerät zu einem glatten Teig kneten. Den Teig auf einem Backblech ausrollen und die Aprikosenmarmelade gleichmäßig darauf streichen. Die Margarine für den Belag in einem Topf zerlassen, Zucker, Vanillezucker und Wasser dazugeben, aufkochen lassen und unter Rühren bei mittlerer Hitze köcheln lassen, bis die Masse hellbraun karamellisiert. Den Topf vom Herd nehmen. Die Haselnüsse und Mandeln unterrühren und die Masse auf dem Teig gleichmäßig verteilen. Bei 175°C (Umluft) ca. 30 Minuten backen. Die Nussplatte noch lauwarm in Quadrate von 8-10 cm Kantenlänge schneiden und diese dann zu Dreiecken halbieren. Vegane Schokolade im Wasserbad schmelzen und die Ecken der Nussecken damit bestreichen.

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