Andersweltler von Anja Berger

Andersweltler eine Kurzgeschichte aus dem Café Wonderland von Anja Berger

„Ich hätte ablehnen sollen!“
Kira verbarg ihren Kopf in beiden Händen. Als sie kurze Zeit später aufsah, stand Skjaldan immer noch starr vor Schreck neben ihr auf dem Gehsteig, die Hände abwehrend vor sich gestreckt. Zum Glück hatte Edvik dafür gesorgt, dass er keine Magie wirken konnte, ansonsten hätte der Fahrer des Wagens eine echte Überraschung erlebt. Einer der Jugendlichen, die im Wartehäuschen rauchten, grinste zu ihm hinüber.
„Coole Pose, Alter! Ich hab noch nie jemand so geil ein Taxi anhalten sehen!“
Kira presste die Zähne zusammen. „Skjaldan, reiß dich zusammen und bleib einfach hinter mir. Elmaryn, Shadar, seid ihr so weit?“
Der Fahrer öffnete die Tür.
„Du hast jetzt nicht vor …“
Elmaryns Stimme klang gepresst. „Wir sollen …“
„Ihr wolltet nicht in die U-Bahn, also nehmen wir ein Taxi nach Covent Garden. Elmaryn, DU wolltest unbedingt in die Oper.“
„Was ist mit Pferden? Gibt es in dieser Welt …?“
Kira seufzte, griff Elmaryn am Arm und schob ihn energisch zur Tür.
„Glaub mir, auf einem Pferd willst du nicht in die Innenstadt.“
„Ich weiß jetzt, weshalb die Wächter normalerweise fünf Jahre Ausbildung verlangen, bevor sie jemanden hier her lassen!“
Skjaldan faltete sich mit einem Ausdruck von Todesverachtung auf den Rücksitz, peinlich darauf bedacht so wenig wie möglich zu berühren, was bei seiner Größe unmöglich war. Hätte sie nicht die echte Angst auf seinem Gesicht gesehen, wäre das ganze urkomisch gewesen. So fragte sie sich allerdings langsam ob es nicht besser gewesen wäre, einfach den Mund zu halten, als Elmaryn davon geschwärmt hatte, dass auf manchen Hoffesten mitunter fünf oder sechs Musiker gemeinsam spielten. Sie hätte ihn nie auf diese Idee bringen dürfen in ihrer Welt ein Konzert zu besuchen.
„Hört mal,“ sie zog energisch an Shadars Ärmel, der die Autotür musterte, als wolle er sie auf Fallen untersuchen, „vielleicht sollten wir uns in Covent Garden erst einmal ein nettes Café suchen, damit ihr euch an die Atmosphäre gewöhnen könnt?“
„Café?“
Shadar neigte den Kopf. „Bevor ich mich auf das nächste Abenteuer einlasse, wüsste ich gerne etwas genauer was das ist.“
„Steig ein, dann erkläre ich.“
Der Fahrer grinste sie an, als sie sich neben ihm auf den Beifahrersitz fallen ließ.
„Wo genau wollen sie hin?“
„Kennen sie in Covent Garden eventuell ein nettes Café, dass … wo wir nicht gleich so extrem auffallen würden?“
„Kein Problem.“

Kira atmete auf, als sie unter der gestreiften Markise standen, die der Fahrer ihr beschrieben hatte. Rosa und weiß. Hier waren sie richtig.
„Wonderland Café, das passt zu dieser Welt!“ Skjaldan führ sich mit einer Hand über die Stirn. Auch er wirkte erleichtert dem Verkehr entkommen zu sein. Kira grinste ihn an.
„Wenn sich der Name dieses Cafés auf Literatur bezieht, passt es sogar in doppelter Hinsicht. In dem Roman geht es um ein Mädchen, das in einer fremden Welt landet und dort so ihre Schwierigkeiten hat.“
„Anscheinend geschieht so etwas häufiger, als ich dachte.“
Shadar hob die Brauen. „Was ist nun, du hast uns Kuchen versprochen?“

Alle atmeten auf, als der Lärm der Straße hinter ihnen zurückblieb als sie eintraten. Elmaryn begann leise zu summen als eine Bedienung, die auch auf einem Laufsteg hätte auftreten können, kurz zu ihnen herübernickte, während sie ein Tablett zu einem der Tische balancierte. Skjaldan steuerte bereits auf ein samtbezogenes malvenfarbenes Sofa zu. Shadar warf einen erfreuten Blick auf die daneben platzierten Bücherregale, dann sah er Kira besorgt an.
„Bist du sicher, dass wir uns das hier leisten können? Edvik hat dir nur dieses Papier gegeben und die Münzen, die du hast … Meist richten sich die Preise nach der Einrichtung.“
Kira warf ihm einen irritierten Blick zu, bis ihr klar wurde, wie dieses Café auf ihn wirken musste. Der Wintergarten war verglast, Bücher mussten in seiner Welt noch von Hand kopiert werden und der Samtbezug des Sofas, auf dass Skjaldan sich gerade mit einem wohligen Seufzer fallen ließ …
„Ja, können wir, keine Sorge. Das sieht nach mehr aus, als es ist.“
„Eine Illusion? Ich dachte in dieser Welt dürfen wir keine Magie wirken?“
„Nein, das ist schon echtes Glas aber hier ist die Herstellung einfacher. Auch bei den Büchern. Schau dir nachher eines an. Setz dich aber erst einmal, sonst fallen wir auf und genau das wollen wir vermeiden.“ Wahrscheinlich war es dafür aber bereits zu spät. Die Serviererin sah wiederholt zu ihnen hinüber und zwinkerte Shadar jetzt sogar zu. Elmaryn summte immer noch, als sie kurz darauf zu ihnen an den Tisch trat.
„Was darf ich bringen?“
„Schokolade!“ Skjaldan strahlte die Frau freudig an. „Ich möchte dieses Zeug jetzt endlich einmal probieren, von dem Kira immer schwärmt. Gibt es hier so etwas?“
„Mit Sahne?“
„Ja.“
„Das nehme ich auch.“ Shadar lächelte der Frau zu, die sich ein wenig zu ihm herunterbeugte. Täuschte sich Kira, oder flirtete sie tatsächlich mit ihm? Sie musste gut einen Kopf größer sein als er, aber Shadar war durchaus attraktiv. Rasch bestellte sie ebenfalls und registrierte erleichtert das Elmaryn nicht mehr summte, sondern sich jetzt der Frau zuwandte.
„Du bist nicht normal.“
Kira schloss die Augen. Ich hätte ablehnen sollen, diese drei hier her zu bringen …
„Elmaryn …“
„Ich meine es ernst, sie ist nicht normal sie ist …“
„Ein Werwolf. Und weiter? Möchtet ihr auch Kuchen oder bleibt es bei den Getränken?“
„Gibt es hier Zitronentörtchen?“ Shadar lehnte sich nun ebenfalls ein wenig vor. Entweder faszinierte ihn die Aussicht auf das wirklich beeindruckende Dekolleté der Bedienung oder er wollte unauffällig ihre Aussage überprüfen.
„Wir haben Zitronentarte mit Baiser.“
„Hört sich lecker an.“ Skjaldan wirkte nun konzentriert. Hoffentlich kam er nicht auf dumme Gedanken.
„Ist es bestimmt auch, nehmen wir das alle?“ Kira hoffte, dass die Bedienung rasch ihren Tisch verlassen würde, damit sie die anderen über korrektes Benehmen in Cafés aufklären konnte.

Kaffee und Zitronentarte im Café Wonderland
„Dann hätten wir vier mal Schokolade mit Sahne und Zitronentarte?“
Kaum hatte die Kellnerin ihren Tisch verlassen wandte sich Shadar an Elmaryn.
„Ich habe nichts bemerkt aber der Wächter hat mich auch gezwungen dieses Zeug zu trinken, damit ich hier keine Magie wirken kann. Was genau ist sie?“
„Ein Tier, das heißt, nur halb würde ich sagen, aber da ist etwas gefährliches an ihr und Wolf war auch das erste, was mir in den Sinn kam.“
Kira starrte ihn ungläubig an. „Elmaryn, meinst du das ernst? Als sie sagte, sie sei ein Werwolf dachte ich, sie macht bloß Witze!“
„Die Wahrheit zu sagen, wenn du davon ausgehst, dass sie dir ohnehin niemand glaubt, ist ein probates Mittel.“ Shadar verzog den Mund zu einem ironischen Grinsen. „Was also ist ein Werwolf, Kira?“
„Und ich dachte, unser größtes Problem sei der Straßenverkehr.“ Kira verdrehte die Augen zur Decke.
„Hört mal zu ihr vier Helden“ Die Bedienung stellte ein Tablett mit dampfenden Tassen auf das Tischchen. „Wenn ich als Werwolf in einem Café arbeite, bin ich mit großer Sicherheit so gut sozialisiert, dass ich nur manchmal einen Gast aufesse. Eigentlich immer nur dann, wen er genügend Krümel in seinem Bart hat, dass es für einen Nachtisch reicht und jetzt entscheidet euch, wollt ihr bleiben und damit leben oder soll ich diesen Tisch an Iwan abtreten? Der wäre dann ein Vampir, wenn euch das lieber ist.“
Kira sah zu der Frau auf, die eine Tasse genau vor ihr auf dem niedrigen Metalltischchen platzierte. Ein Café in dem wir nicht direkt auffallen … mit ziemlicher Sicherheit waren sie hier genau richtig. Sie konnte es nicht verhindern, das Lachen kam einfach.
„Es ist in Ordnung, wir bleiben.“
„Du glaubst mir nicht, oder?“ Die Bedienung grinste sie an.
„Das Verrückte ist, ich glaube dir tatsächlich. Vor zwei Jahren, hätte ich das garantiert nicht getan, aber wahrscheinlich musste ich erst einmal eine andere Welt betreten um auch in meiner Eigenen die spannenden Dinge entdecken zu können.“
„Na dann kann ich ja den Kuchen bringen.“ Die Bedienung verschwand und Kira lehnte sich auf dem Sofa zurück.
„Du wirkst entspannter, Kira. Hast du jetzt weniger Sorgen, dass wir auffallen könnten?“ Skjaldan lehnte sich zu ihr herüber.
„Ich habe gerade beschlossen, dass mir das ab jetzt egal ist. Wenn einem das Weltbild auf den Kopf gestellt wird, hat das mitunter diesen Effekt.“
„Erweitere deinen Horizont bei Bedarf, das ist ohnehin sinnvoll.“ Shadar sah Kira aus leicht verengten Augen an. „Diese Frau wird uns also nicht gefährlich werden?“
„Du hast sie gehört, sie frisst nur manchmal jemanden und dann nur unter sehr spezifischen Bedingungen. ICH trage keinen Bart.“
Jetzt lachte auch Shadar. „In dem Fall bin ich zwar potenziell gefährdet, aber die Krümelmenge bei Skjaldan kann ich niemals toppen. Da wir nun also wissen, wer den Abend nicht überlebt, wie esse ich diese Schokolade nun? Mit dem Löffel, der neben der Tasse liegt, oder kann man es trinken? Flüssig genug schaut es aus.“
„Werde doch einfach kreativ“ Kira griff nach ihrer Tasse und nahm einen Schluck.
Dann kamen die Törtchen.
Später war es nicht leicht, Shadar dazu zu überreden, das Café wieder zu verlassen. Er wäre auch ohne die anderen geblieben, beteuerte er, wenn ihm nicht Sabrina, die Bedienung, versichert hätte, dass das Cafe schließen würde weit bevor die Vorstellung an der Oper zu Ende sein sei. Und selbst bei der Aussicht mehrere Stunden alleine in den Straßen der Stadt zu verbringen habe er überlegen müssen, ob ein weiteres dieser Törtchen nicht die Mühe wert gewesen sei.

Diese Woche war ich geschäftlich ziemlich eingespannt. Deshalb hat Mailie wieder einmal für mich (beziehungsweise Alice) gebacken und statt Zitronentörtchen, wie in der Geschichte vorgesehen, sind es deshalb Sansa’s Lemon Cakes aus Game Of Thrones geworden. Sehr, sehr lecker! Uns blieben noch einge der Zitronenscheiben übrig, die man prima so naschen kann. Ich finde die Cakes schlicht am Schönsten, doch wer mag, kann sie optional mit etwas Lemon Curd oder Zitronenmarmelade garnieren.

Nachgebacken sind sie schnell. Leider hat man sie noch schneller verputzt.

Hier ist das Rezept:

Zutaten:
• 
2 Eier
• 
1 Eigelb
• 
115 g Butter, flüssig
• 
300 g Mehl
• 
60 g saure Sahne
• 
2 gestrichene TL Backpulver
• 
1 TL Vanilleextrakt, alternativ ein Päckchen Vanillezucker
• 
1 Prise Salz abgeriebene Schale und Saft einer unbehandelten Bio Zitrone
• 
250 ml Wasser
• 
225 g Zucker zum Aufkochen
• 
2 unbehandelte (Bio-)Zitrone für die Scheiben optional etwas Lemon Curd oder Zitronenmarmelade

Zubereitung:
Von einer Zitrone die Schale abreiben und den Saft ausdrücken, die beiden anderen in dünne Scheiben schneiden. 250 ml Wasser und 225 g Zucker in einen Topf geben, bei hoher Temperatur kurz aufkochen, die Temperatur reduzieren, dann die Zitronenscheiben mit dazu geben und für 5-7 Minuten darin köcheln lassen.

Anschließend die Zitronenscheiben heraus nehmen. Am besten mit einem Schaumlöffel, damit sie etwas abtropfen können. Die Scheiben auf einem mit Backpapier ausgelegtem Backblech verteilen und trocknen lassen.

Danach 150 g Zucker, 2 Eier und das Eigelb in eine große Schüssel geben und mit dem Schneebesen verrühren. Die saure Sahne einrühren. Anschließend mit Zitronenzesten und –saft sowie Vanilleextrakt ergänzen. Alles vermischen.

Mehl, Backpulver und eine Prise Salz dazugeben und verrühren. Butter verflüssigen, zum Teig geben und unterrühren. Die Mulden der Muffinform gründlich einfetten. Auf den Boden einer jeden Mulde eine getrocknete Zitronenscheiben legen und dann Teig einfüllen, bis die Mulden etwa dreiviertel gefüllt sind.

Die Lemon Cakes bei 190 Grad, Umluft 170 Grad, für 20 Minuten backen. Fertig gebacken ca. 20 Minuten in der Form abkühlen lassen. Dann die Form wenden und auf die Arbeitsfläche stürzen. Die Küchlein sollten sich relativ leicht daraus lösen.

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