Café Wonderland von Sandra Florean

»Da vorn ist es«, rief Gabbi und drehte sich mit einem triumphierenden Lächeln zu ihnen um.
Tess schnaufte und auch Gail lief nicht mehr so leichtfüßig, wie sie es von ihr gewohnt war. Sie waren bereits seit zwei Stunden durch enge Londoner Gassen geirrt, um dieses Café zu finden, das den Abschluss ihres Ausflugs bilden sollte. Das Café Wonderland, dessen Name laut Gabbi Programm sein sollte, lag am belebten Covent Garden, der eigentlich nicht schwer zu finden war – wenn man nicht auf dem Weg dorthin ständig einen Abstecher in den nächsten Designer-Geheimtipp-Laden machen musste. »Nur mal eben kurz« erwies sich dabei leider als erheblicher Umweg und Werhase Geoffrey hatte mit seinen kurzen Beinen Mühe, Schritt zu halten. Oder der Schweiß auf seiner Stirn war Angstschweiß, denn er sah sich wie gewohnt mit ängstlich zuckender Nase zu allen Seiten um, als erwarte er … ja, was?

»Und wir hätten nicht in irgendein Lokal gehen können?«, brummte Gail und strich sich eine nasse Strähne ihrer blonden Löwenmähne aus der Stirn.
Natürlich hatte es zwischendurch angefangen zu regnen und natürlich hatte keiner von ihnen einen Schirm dabei, was nicht zur Besserung ihrer Stimmung beigetragen hatte. Gabbi drehte sich mit einem unbeirrten Lächeln und diesem nachsichtigen Blick zu der Werlöwin um, den sie gern aufsetzte, wenn es um Dinge wie Modetrends, angesagte Clubs und gerade vorherrschende Mode-Meinungen ging.
»Natürlich hätten wir das«, erwiderte sie. »Aber dann hätten wir nicht bis London fahren müssen.«
»Genau mein Reden …«, murmelte Gail, zog den Kopf unter einer besonders feuchten Windböe ein und stiefelte weiter.

Sie hatten diesen Ausflug Gabbi zuliebe gemacht, die unbedingt bei einer Vernissage eines angesagten Jungdesigners dabei sein, aber dort nicht allein erscheinen wollte. Tess hatte sich anfangs gesträubt. Sie war zwar noch nie in London gewesen, scheute allerdings aufgrund ihrer Sprünge längere Fahrten. Deshalb hatte sich Gail, ihre Mitbewohnerin und engste Vertraute, bereit erklärt, die beiden zu begleiten. Bei ihr war Tess in guten Händen. Nicht nur, weil sie zur Seite der Andersartigen gehörte, wie die neu in der Gesellschaft etablierten Mitbürger mit andersartigem Abstammungshintergrund kurz genannt wurden. Sie wusste über Tess´ Seelensprünge besser Bescheid als andere und wusste, was zu tun war.

Die Sprünge hatten in der Pubertät eingesetzt und rissen sie regelmäßig wortwörtlich aus ihrem Körper in die Seelen der Übernatürlichen. Was sie währenddessen zu sehen bekam, spottete jeder Beschreibung und ließ sie lange Zeit die Augen davor verschließen. Vor einigen Monaten hatte sie sich jedoch ihrer Gabe gestellt und arbeitete nun mit der Monsterabteilung der Newtown Police zusammen, um die grausigen Verbrechen aufzuklären, derer sie ungewollt Zeugin wurde.
Gabbi war ihre einzige Freundin aus Kindertagen. Sie war durch und durch menschlich, flippig, modebewusst, oftmals oberflächlich, aber eine gute Seele. Sie führte einen Modeblog und bewegte sich wie selbstverständlich nicht nur in den Sozialen Medien sondern auch in der nach außen schönen Welt der Mode und Designer und ließ keine Gelegenheit aus, Tess modisch zu beraten. Auch bei Gail hatte sie es einmal versucht. Die Werlöwin hatte ihr daraufhin die nicht mehr ganz menschlichen Zähne gezeigt und seitdem herrschte zwischen den beiden Frauen ein misstrauischer Waffenstillstand – gespickt mit Anspielungen und kleinen Neckereien, die sich beide nicht verkneifen konnten.

Tess grinste und sah sich zu Geoffrey um, der sich dicht an ihrer Seite hielt. Die vielen Leute behagten ihm offenbar nicht, die sich unkoordiniert hin und her bewegten oder plötzlich ohne ersichtlichen Grund stehen blieben, um mit spitzen Fingern auf dieses oder jenes zu weisen. Er schien etwas zu spüren, was Tess verborgen blieb.
Ihre Gabe verankerte sie zwar fest in der Welt der Monster, aber über deren ausgeprägte Sinne verfügte sie nicht.
Sie wichen ein paar Pfützen aus und betraten – endlich – das Café Wonderland. Sofort empfing sie der Duft nach Selbstgebackenem und Tess hörte den Werhasen genüsslich einatmen. Als er davon erfahren hatte, dass sie dieses Lokal aufsuchen wollten, hatte er sich selbst zu dem Ausflug eingeladen. Geoffrey war süchtig nach Süßspeisen und laut seinen Schwärmereien gab es hier die Besten im ganzen Königreich – abgesehen von Tess´ eigenen Köstlichkeiten. Sie war selbstständig als Konditorin für Kunden mit besonderen Ansprüchen, daraufhin neugierig auf dieses Wonderland geworden und sah sich nun interessiert um.

Der Innenraum war hell gehalten, mit weiß lackierten Möbeln und einigen geschickt verteilten Stehlampen ausgestattet, die warmes Licht verbreiteten. Viele Tische waren belegt mit einem sehr gemischten Publikum, dennoch war es im Gegensatz zu dem Trubel auf dem Covent Garden angenehm ruhig und entspannt. Während Gabbi die Tresenkraft nach einem freien Platz fragte, bestaunte Tess die umfangreiche Sammlung von Teekannen und Tassen in einer Vitrine an der gegenüberliegenden Wand. Geoffrey steuerte zielstrebig auf die Stirnseite zu, wo es abgepackte Kekse zum Mitnehmen gab. Ehe er zuschlagen konnte, winkte uns Gabbi an einen Tisch in der Nähe eines gemütlich wirkenden mauvefarbenen Sofas. Gail ließ sich schwer auf ihren Polsterstuhl fallen und griff im selben Moment nach der Karte.
»Puh, ich hoffe, es lohnt sich.«
Auch Tess nahm eine Speisekarte und schlug sie so auf, dass Geoffrey mit hineinsehen konnte. Gabbi hatte bereits ihr Smartphone gezückt, fotografierte die Vitrine mit den Marmeladengläsern und eine der Stehlampen, auch wenn Tess nicht sehen konnte, was daran besonders war.

Nach einigen Minuten kam eine Bedienung mit beeindruckenden Kurven an ihren Tisch, in der Hand einen altmodischen Bestellblock. Gail versteifte sich und beäugte die kurzhaarige Frau mit skeptischem Blick. Tess erkannte sie sofort als Gestaltwandlerin, konnte aber allein anhand ihres Äußeren nicht erkennen, um welches Tier es sich bei ihr handelte.
»Ich bin Sabrina. Habt ihr schon gewählt?«, fragte sie, den Blick fest auf die Werlöwin geheftet.
»Kommt darauf an«, knurrte Gail und ihre Stimme klang tatsächlich nach einem Raubkatzenknurren. Ein scheußliches Geräusch, bei dem sogar Gabbi stirnrunzelnd von
»Kennt ihr euch etwa?«, fragte sie.
»Noch nicht«, antwortete Sabrina und drehte sich zu Geoffrey um, der erschrocken zusammenzuckte. »Aber du kommst mir bekannt vor.«
»Wer ich?«, rief der Werhase. »Nein, also, nein, das kann nicht … Ich habe eine große Familie, wissen Sie. Eine sehr große Familie …«
»Und Gail gehört keinem Rudel an«, fügte Tess hinzu. Sie wusste nur zu gut, wie zerstritten die meisten Gestaltwandler-Lager untereinander waren. In ihrer Heimat Newtown gab es neben den Vampiren ein großes Werwolfrudel und mehrere kleinere Fraktionen, die kaum mehr als das Nötigste miteinander sprachen.
»Eine Rudellose?«, fragte die Bedienung und konzentrierte ihre Aufmerksamkeit wieder auf Gail.

Die Werlöwin erwiderte den Blick und Tess hätte schwören können, dass sich ihr Tier bereits unter der hübschen menschlichen Fassade regte. Auch bei der Kellnerin ging eine sonderbare Wandlung vor sich. Ihre gepiercte Nase zuckte und sie zog leicht die Lippen hoch, als würde sie so besser riechen können. Ihre Haltung hatte etwas Lauerndes und der Stift in ihrer Hand wirkte plötzlich wie mehr als ein Werkzeug zum Schreiben.
Wenn sie aus verfeindeten Lagern stammten, würde sie hier – an ihrem Arbeitsplatz – eine Szene riskieren? Oder Schlimmeres? Tess hielt die Luft an.
Geoffrey quietschte leise auf und erstarrte dann – offenbar in der Hoffnung, sich dadurch unsichtbar zu machen. Er war ohnehin ein Angsthase, aber auch Tess fühlte sich zusehends unbehaglich. Hatte Gabbi gewusst, dass es in diesem Café Andersartige gab? War das etwa das Besondere an dem Wonderland?
Gail beugte sich vor. Ihre blonden Locken wirkten wie aufgeplustert, sämtliche Regennässe war aus ihnen verschwunden. »Hast du ein Problem damit?«
»Und wenns so wäre?«, erwiderte Sabrina prompt.
»Dann können wir das gern im Hinterhof klären, falls es so was hier überhaupt gibt.«
»Määädels«, trällerte Gabbi dazwischen. »Ich hab ja keine Ahnung, was ihr für ein Problem habt, aber können wir bitte alle wieder runterkommen? Also, ich hätte gern einen großen Latte macchiato mit Karamelsirup und ein Schinkenhörnchen.«
Schinkenhörnchen im Café Wonderland
Ohne den Blick von Gail abzuwenden, schrieb die Gestaltwandlerin die Bestellung auf.
Tess räusperte sich. »Ich hätte gern einen Afternoon Tea und ein Zitronentörtchen«, bestellte sie das Erste, was ihr in Erinnerung geblieben war, in der Hoffnung, die Spannung damit zu lösen.
»Und was darf es für dich sein?« Sabrina hatte offenbar beschlossen, Gails ungewohnte Provokation zu ignorieren und sich auf ihre Professionalität zu besinnen.
»Ich nehm den Erdbeerkuchen und einen Kaffee. Mit viel Milch. Aber echte Milch und nicht so einen fettreduzierten Sojakram.«
»Ich hab nichts anderes erwartet«, murmelte Sabrina, notierte die Bestellung und wandte sich dann mit einem breiten Grinsen an Geoffrey. »Und was darf es für dich sein, kleiner Mann?«
Der Werhase machte einen kleinen Satz auf seinem Stuhl und ratterte seine Bestellung so schnell herunter, dass Tess nicht ein Wort verstand. Offenbar verfügte die Kellnerin über eine bessere Auffassungsgabe, denn sie schrieb seelenruhig alles auf und ließ sie dann allein.

Kaum war sie weg, sah Tess ihre Mitbewohnerin fragend an. So ein Benehmen kannte sie von ihr nicht. Normalerweise hielt sich Gail aus allen Streitereien heraus.
»Was sollte das denn?«
»Echt jetzt«, stimmte Gabbi genervt zu. »Das war nun wirklich nicht nötig. Kann man mit euch nicht mal einen Kaffee trinken gehen, ohne dass ihr euch gegenseitig an die Gurgel geht? Wie hältst du das bloß aus, Tess?«
»Sie riecht komisch«, wisperte Geoffrey.
»Was meinst du mit komisch?«, fragte Tess ihn.
»Nicht wie ein Wolf«, antwortete Gail.
»Aha. Und das heißt …?«
»Dass sie ohne Rudel ist.«
Tess stutzte. »Und das ist ein Problem? Du gehörst doch auch keinem Rudel an.«
»Wölfe sind nie allein«, antwortete Gail. »Und wenn doch, haben sie ordentlich was auf dem Kerbholz.«

Endlich begriff Tess. Bei den Wölfen herrschten strenge Regeln, die konsequent durchgesetzt wurden. Wer sie brach, wurde bestraft. Hart bestraft. Tess wusste, dass die meisten Rudel drei Chancen gaben und erst dann über einen Ausschluss nachdachten. Es gehörte also einiges dazu, hinausgeworfen zu werden.
»Ihr seid echt merkwürdig«, sagte Gabbi und widmete sich wieder ihren Notizen auf dem Smartphone. Natürlich hatte sie vor, einen Bericht über das Wonderland zu schreiben und Tess hoffte, dass sie diesen unangenehmen Zwischenfall auslassen würde. Plötzlich sah Gabbi wieder auf. »Solltet ihr nicht viel lieber zusammenhalten? Also, ihr als Andersartige, meine ich.«
»Warum?«, erwiderte Gail, stand auf und setzte sich dann im Schneidersitz auf den Stuhl. »Ihr Menschen seid doch auch ständig zerstritten. Sei es wegen der Hautfarbe, der Religion, des falschen Geburtslandes oder weiß der Kuckuck. Warum sollte es bei uns anders sein?«
Gabbi zuckte mit den Schultern. »Keine Ahnung und ist mir auch egal. Denk nur bitte daran, dass du uns wieder zurück nach Hause fahren musst. Falls du dich ernsthaft mit dieser Werwölfin duellieren willst.«

»Machst du dir Sorgen um meine Gesundheit?«
»Wohl kaum«, antwortete Gabbi. »Ich weiß ja, wie gut ihr heilt. Aber ich hab auch keine Lust, darauf zu warten, bis du nicht mehr pelzig bist. Oder wie auch immer ihr das nennt.«
Gail lachte und wirkte daraufhin wesentlich entspannter. Auch Geoffreys Gesicht hellte sich auf, als Sabrina ihre Bestellung brachte, wovon seine am größten war. Schon bog sich der kleine Tisch unter einer Fülle von Backwaren auf edlem Porzellan. Geoffrey zögerte nicht und hatte sich bereits zwei Cookies in die Backen gestopft, bevor Tess überhaupt ihre Kuchengabel zur Hand genommen hatte.
»Lecker«, mampfte er. »Einfach lecker … Also, nicht so lecker wie deine, Tess, aber nah dran … sehr nah dran …«
Insgeheim musst sie ihm zustimmen. Das Zitronentörtchen war das Beste, was sie je gegessen hatte, und sie war sich nicht sicher, ob sie es besser hätte machen können. Auch ihre so unterschiedlichen Freundinnen schienen zufrieden und Gabbi fasste munter zusammen, was sie heute alles erlebt und gesehen hatten. Tess hörte ihr nur mit halbem Ohr zu und sah sich stattdessen unauffällig in dem Café um.
An den Tischen tummelten sich nicht nur Menschen, was sie nicht überraschte. Die Andersartigen hatten sich nicht nur in Newtown aus ihrem Schattendasein erhoben. Im gesamten Königreich und dem Rest der Welt, soweit sie das beurteilen konnte, waren sie zu einem festen, aber dennoch nicht weniger ungewöhnlichen Bestandteil der Gesellschaft geworden. Und wie bei jeder neuen Populationsgruppe gab es die üblichen Reibereien, geprägt von Vorurteilen und nicht ganz irrationalen Ängsten. Seit Tess bei ihren Seelensprüngen hinsah und der Polizei als externe Beraterin zur Seite stand, hatte sie gelernt, dass die meisten Geschichten über die Monster leider wahr waren …
Geoffrey holte sie mit einem heftigen, aber offenbar unbeabsichtigten Stoß in die Seite zurück ins Wonderland.

»Hey, Hasenfuß. Alles in Ordnung bei dir?«, fragte Gail und beäugte ihn misstrauisch.
Der Werhase war selten entspannt, aber im Moment wirkte er sogar für seine Verhältnisse auffallend aufgedreht. Er zappelte mit den Armen, rutschte auf der gepolsterten Sitzfläche herum, als würde sie in Flammen stehen, und unter seiner Gesichtshaut arbeitete es unaufhörlich. Kleine Wellen rauschten darunter hinweg, als tobe hinter der menschlichen Fassade ein Wirbelsturm. Sein Teller war bis auf wenige Krümel leer geputzt, was Tess allerdings nicht verwunderte. Geoffrey ließ nie etwas übrig.
Mit zitternder Hand griff er nach seinem Tee, verschüttete ihn zur Hälfte und stellte die Tasse unverrichteter Dinge wieder ab. Schweißperlen glänzten auf seiner Stirn.
»Alles in Ordnung«, murmelte er. »Nur ein bisschen … ich weiß auch nicht … ein bisschen …« Er wischte sich über die Stirn und sprang dann so heftig auf, dass er den Tisch umstieß. Obwohl er kaum einen Meter fünfzig groß war, war er dennoch ein Gestaltwandler mit dessen übernatürlichen Kräften.
Und genau dieses Wesen brach nun endgültig aus der menschlichen Hülle heraus. Tess kannte Geoffreys Hasengestalt, doch was sich hier unter Zuckungen und Krämpfen herausschälte, hatte damit kaum Ähnlichkeit.

Innerhalb weniger Sekunden war sein Gesicht von braunem Fell überzogen, die Ohren wuchsen über den Schädel hinaus. Knochen knirschten und Sehnen rissen, als sich auch der restliche Körper verformte, kompakter wurde, muskulöser – und wütender.
Geoffrey drehte sich mit gebleckten Hasenzähnen zu ihr um und Tess erschrak. Seine Augen glühten wie von einer fremden Macht besessen und er knurrte, wie sie es noch nie bei einem Hasen gehört hatte. Gail fauchte zur Antwort und hockte sich auf ihren Stuhl. Gabbi war bereits aufgesprungen, als der Tisch fiel, und wich nun ängstlich zurück. Auch von den anderen Tischen wurden erschrockene Rufe laut.
»Was ist denn los mit ihm?«, rief Gabbi und stellte sich Schutz suchend hinter Gail.
Geoffrey schnaubte und schien sich mühsam zu beherrschen. Er bewegte sich nicht von der Stelle, aber die Anspannung war an dem heftigen Zittern deutlich zu erkennen.
»Ich habe keine Ahnung«, antwortete Tess und streckte die Hand nach dem Werhasen aus, in der Hoffnung, ihn durch eine vertraute Berührung zu beruhigen.
Sie hatte ihn noch nicht erreicht, als er plötzlich losflitzte.
Wie ein kleiner haariger Blitz schoss er einmal durch das Lokal, riss Stühle um und Porzellan herunter und versetzte die Kundschaft in Angst und Schrecken. Eine Kundin stieg sogar auf ihren Stuhl und rief nach einem Besen, alle anderen versuchten lediglich, sich in Sicherheit zu bringen, als Geoffrey wie ein Derwisch die Richtung änderte und weiterhin für Chaos sorgte.
Tess und ihre Freundinnen sahen sich ratlos an.
»So hab ich ihn noch nie erlebt.«
»Am Vollmond kann es nicht liegen«, sagt Gail und kam von ihrem Stuhl herunter. »Der war schon.«
Sie hob den Tisch wieder auf und Gabbi sah sich suchend nach der Bedienung um. Sabrina stand breitbeinig vor dem Tresen mit den abgepackten Cookietüten, auf die der wild gewordene Werhase jetzt zusteuerte. Sie hielt einen Besen wie eine Waffe in der Hand und Tess war sich sicher, dass sie ihn auch genau so einsetzen würde. Sie rief Geoffrey, doch der reagierte nicht.
»Es muss an dem Gebäck liegen«, sagte Gail.
Tess drehte sich zu ihr herum. Sie hob gerade Geoffreys zerbrochenen Teller auf und schnupperte daran.

Tess griff nach der großen Scherbe und roch ebenfalls daran. Sie erkannte sofort Anis, aber den verwendete sie ebenfalls häufig und daraufhin war Geoffrey noch nie ausgeflippt.
Der war mittlerweile bei der kampfbereiten Kellnerin angekommen, wie Tess mit einem schnellen Blick erkannte. Sie standen sich gegenüber wie zwei Kampfhunde, die nur auf eine Schwäche des anderen lauerten.
»Hat er sonst noch was gegessen?«, fragte Tess und drehte sich wieder um. Wenn sich zwei Gestaltwandler bekämpften, hielt sie sich für gewöhnlich heraus. Ihren übernatürlichen Kräften hatte sie wenig entgegenzusetzen.
Ihre Freundinnen schüttelten synchron den Kopf.
»Nur das«, antwortete Gabbi. »Wobei davon auch echt viel. Eigentlich müsste Geoffrey viel dicker sein, bei dieser Riesenportion.«
Gail hatte sich erneut die Scherbe gegriffen und leckte nun darüber. »Ich kenne diesen Geschmack … Es ist … Meerträubel, wenn mich nicht alles täuscht. Hat einen leicht bitteren Geschmack, nicht unangenehm.« Sie ließ die Scherbe sinken. »Und hat bei vermehrtem Verzehr eine speedähnliche Wirkung. Und von vermehrt können wir bei unserem kleinen Vielfraß wohl sprechen …«
Sie wandten sich zu Geoffrey um, der gerade einen Angriff auf die Kellnerin wagte. Sabrina zögerte nicht. Blitzschnell holte sie mit dem Besen aus, schlug Geoffrey die Beine weg und verpasste ihm dann einen harten Schlag auf den Kopf, sodass er ohnmächtig liegen blieb.
Jubel und Applaus brachen aus und die Leute kamen von ihren Stühlen herunter. Sabrinas Werwolfblick heftete sich über das angerichtete Chaos hinweg drohend auf Tess und ihre Freundinnen. Tess schluckte.
»Zahlen bitte«, rief Gabbi in die entstandene Stille hinein.

Sandras Buchfreunde haben eine ganze Menge bestellt. Da ich mich für eine Sache entscheiden musste, und es außerdem in der nächsten Geschichte Zitronentörtchen geben wird, habe ich mich dafür entschieden, die herzhafte Alternative nachzubacken. Schlicht, einfach, schnell und lecker – Schinkenhörnchen. Allerdings in einer etwas anderen Form, also eher Schinkenteilchen. Ja, ich weiß, es ist kein sonderlich raffiniertes Gericht, aber jeder mag es, oder? Vielleicht gibt es dir einen Anreiz, es selbst mal wieder zuzubereiten. Dazu noch einen üppigen grünen Salat und ab auf den Balkon um es unter freiem Himmel zu genießen. Da fällt mir ein, – ein Piknick wäre auch mal wieder schön.

Schinkenteilchen

Blätterteig, Schinken am Stück (Menge nach eigenem Geschmack)
Cheddar (Menge nach eigenem Geschmack)
Paprika oder Tomatenstückchen
Saure Gurken

Backofen auf 200 Grad vorheizen. Den Blätterteig auftauen lassen und dann in Vierecke schneiden.
Die übrigen Zutaten würfeln, den Käse reiben und dann die Teigplatten belegen.
Hörnchen formen oder kreativ werden und neue Formen ausprobieren. Blätterteig verzeiht meiner Erfahrung nach fast alles und sieht nach dem Backen immer gut aus.

Zum Schluss mit Eigelb bestreichen und für ca. 15 Min. ab in den Backofen damit.

Schwupps, schon fertig! Lass es dir schmecken.

 

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