Milliways von Schmendrich

Die Sonne schien und auf den Straßen roch es noch frisch nach Regen. Hier drinnen im Bus hielt trotzdem jeder den Kopf zwischen die Schultern versenkt, starrte auf sein Smartphone und wer konnte, trug seinen Kragen hochgeschlagen bis zu den Ohren. Wir rumpelten durch die Stadt und es roch nach Matsch und Unzufriedenheit.
Nur ein junges Pärchen knutschte weltvergessen. Als sie bemerkten, dass ich sie beobachtete, lächelte mich das Mädchen an. Der Junge schaute grimmig. Ich lächelte zurück und genoss es, meinen Gedanken nachhängen zu können.

Seit kurzem arbeitete eine neue Bedienung im Wonderland: Sabrina. Im Café war sie freundlich zu mir. Aber wenn wir uns auf der Straße trafen, tat sie so, als würde sie mich nicht kennen. Nur einmal hat sie mir in die Augen geschaut. Für eine Sekunde. Dann hat sie die Zähne gebleckt und sich abgewendet. Sie wirkte gehetzt, fast wie ein Tier auf der Flucht. Im Gewühl des Stables Market hatte ich sie schnell verloren.
Ich mochte ihr loses Mundwerk und ihre freche herausfordernde Art. Sie war nicht so steif, wie der blasse Iwan in seinen albernen Rüschenleibchen. Der hatte immer Puderzucker am Ärmel und klimperte mit seinen Ringen an den Untertassen. Aber man konnte sich gut mit ihm unterhalten.
An der Haltestelle stieg ich aus. Der Bus fuhr keuchend davon und lies mich allein auf der Straße zurück. Normalerweise war um die Zeit ziemlich viel los, aber heute war die Straße völlig verwaist. Die Häuser schluckten den Stadtlärm. Es war fast still. Ein leichter Regen setzte wieder ein. Ich lief schneller.
Mit dem Blumenladen neben dem Café stimmte etwas nicht: das Schaufenster war zerstört und über dem Fenster hatte Rauch die Fassade schwarz gefärbt. Im Inneren setzten gerade zwei Handwerker eine große Holzplatte ein, um das Loch zu schließen. Ich trat näher und besah den Schaden. Hinter der Tür stand die Besitzerin mit hängenden Schultern und müdem Gesicht. Als sie mich bemerkte, schaute sie mich jedoch finster an und ließ das Rollo herunter. Ich verharrte kurz und versuchte mir einen Reim darauf zu machen.

Die Tür des Wonderland öffnete sich und die Türglocke schellte leise herüber. Jemand kam heraus und hielt mir auf. Also nahm ich meinen Blick vom Blumenladen, stieg über die Scherben und eilte durch die offene Tür ins Warme. Kuchenduft und Kaffeegeruch empfingen mich. Auf jedem Tisch stand eine schlanke Vase mit einer Ranunkel. Aus der Kaffeemaschine plätscherte leise ein Espresso in eine winzige Tasse. Es war ein bisschen, wie zu Hause ankommen. Iwan hantierte in der Backstube.
Aber so entspannt wie sonst, würde es wohl nicht werden – der Laden war rappelvoll und von nebenan klang dumpf das Hämmern der Handwerker herüber.
Im Wintergarten sah ich Sabrina einen frei gewordenen Tisch abräumen. Glück gehabt. Ich ging zu ihr hin. »Hi!«
»Hi!« Sie schaute nicht von ihrer Arbeit auf. »Bin gleich soweit.«
Ich schob mich auf das Sofa. »Was ist denn nebenan passiert?« Sabrina sah mich nun doch kurz an und zuckte mit den Schultern. »Was auch immer es war, es geschieht der alten Hexe recht.«
Damit wandte sie sich zum Gehen. »Wie immer?« Die Antwort wartete sie nicht ab. Wie immer. Ich schaute ihr nach und bewunderte ihren Gang. Sie übertrieb den Hüftschwung ein wenig, dass ich grinsen musste. Sie wußte eindeutig, dass ich ihr nachschaute.
Am Tisch nebenan unterhielten sich zwei Rentnerpärchen über den Streik der Southern Rail und ich war einmal mehr froh, das ich heute nicht am Bahnsteig stehen musste und meinen freien Nachmittag genießen konnte.

Milch wurde zischend aufgeschäumt und ein Schatten verdunkelte die Tür. Zwei Gestalten in schwarzen Mänteln und mit großen Hüten traten in den Raum. Ein paar Gäste drehten ihre Köpfe nach ihnen um, wandten sich dann aber wieder ihren Gesprächen zu. Die Gestalt, die als letztes eintrat, war riesenhaft und das Café wirkte plötzlich enger. Als der Hüne sich auf der Stelle drehte und nach einem freien Platz umschaute, ächzten die Dielen unter ihm – als würde sich ein Berg drehen.
Der Kleinere, zog ein paar Handschuhe aus, trat zu Sabrina an den Tresen und fragte sie offensichtlich etwas, denn sie zuckte mit den Achseln und zeigte mit einer ausladenden Bewegung in den Gastraum. Dann hob sie den Zeigefinger, als wäre ihr etwas einfallen und blickte zu mir herüber. Schließlich deutete sie auf mich und lächelte mir zu.
Damit wurde es wohl nichts aus dem Nachmittag allein im Café. Aber ich war nicht böse drüber und nickte zurück. Die beiden Gestalten bewegten sich auf mich zu. Vor meinem Tisch blieben sie stehen. Der Kleinere hatte den Hut abgenommen und schaute mich fragend an. Ich deutete auf die Plätze neben mir. »Nur zu. Hier ist frei.«
Sie dankten.

Der Riese behielt den Mantel an und den Hut auf. Selbst seine Handschuhe streifte er nicht ab. Unbeholfen und knurrend zwängte er sich auf den kleinen Stuhl zu meiner Linken, stieß an den Tisch und schob ihn mir dabei heftig gegen das Schienbein. Da Sabrina aber gerade mit meinem Kuchen auf mich zuhielt, verkniff ich mir ein Wimmern.
Sie zwängte sich am Großen vorbei und stellte einen Teller vor mir auf den Tisch. »Wie immer«, sagte sie und grinste. »Wolltest Du nicht diese Woche in Brighton sein?«
Die Gestalten schauten auf.
»Ich …«, versuchte ich zu antworten, aber Sabrina wandte sich schon meinen Tischgenossen zu.
»Was darf es bei Euch sein?« Die Männer reagierten nicht. Sie musterten mich eindringlich und einen Moment lang schwiegen wir alle. Ein unbequemes Schweigen.
Sabrina atmete tief ein. Sie konnte es nicht ausstehen, ignoriert zu werden. Aber die beiden Männer schwiegen weiter und starrten mich an. Mir wurde unbehaglich.
Sabrinas Ton wurde schärfer: »Hallo? Jungs? Was darf ich Euch bringen?«
Der Große wandte sich ihr betont langsam zu, lächelte provozierend und machte Anstalten, sich zu erheben. Sabrina wich einen halben Schritt zurück. Ihre Augen funkelten und sie bleckte die Zähne. Fast wölfisch!
Ich versuchte, die Aufmerksamkeit auf mich zu lenken. »Die Reise hat sich verschoben.« Der Kleinere legte seine Hand auf den Arm des Großen. Der ließ sich zurück auf den Stuhl sinken und wandte sich wieder mir zu.
Schließlich gab der Kleinere die Bestellung auf, ohne den Blick von mir zu nehmen: »Wir nehmen das Gleiche, wie der junge Herr hier.«
Sabrina knurrte und zückte Zettel und Stift. »Also zwei Latte Macchiato und zwei Nusskuchen?«
Der Kleinere nickte. »Wenn es das ist, was unser junger Freund hier verzehrt.« Dann blickte er zum Großen. Der nickte auch, sagte aber nichts.
Sabrina zuckte mit den Schultern und wollte sich abwenden aber der Kleinere packte sie am Arm. »Ach Fräulein …«
Sabrina fuhr herum und riss ihren Arm zurück. »Was?«
Der Mann ließ sie los, hob die Hände wie zur Entschuldigung und lächelte spitzbübisch. »Ich nehme noch ein paar Ingwerkekse dazu. Und haben sie vielleicht Geschirr aus Steingut?« IngwerkekseSabrina schnaufte und legte fragend den Kopf schief. Der Kleinere legte seinen Kopf ebenfalls schief und verbreiterte sein Lächeln: »Bitte! Wenn es möglich ist, hätten wir gern zwei Teller aus Steingut.«
Sabrina verdrehte verächtlich die Augen. »Etwas Getöpfertes?«
Der Größere brummte etwas und es klang, als würde man zwei Ziegelsteine aufeinander reiben. Der Kleinere hob die Brauen. »Wenn es keine Umstände macht?«
Sabrina schaute eisig. »Ich sehe nach.« Damit ließ sie uns allein.
Der Rest der Gäste schien von diesem Schauspiel nichts mitbekommen zu haben, oder es war ihnen egal. Ich jedenfalls hatte Sabrina noch nie so angespannt erlebt.
Meine beiden Tischgenossen beunruhigten mich. Ich hatte das Gefühl, sie waren auf Streit aus und überlegte fieberhaft, wie ich aus dieser Situation heraus kommen könnte. Der Große war noch immer unter seinem Hut kaum zu sehen, aber er schob ihn etwas nach oben und gab ein borkiges graues Gesicht frei. Wie ein Mosaik aus Kalkstein. Er sprach zu seinem Begleiter in einer Sprache, die ich nicht verstand und machte dabei erneut dieses mahlende Geräusch.

Der Kleinere sprach mich schließlich an. »Sie haben also in Brighton zu tun?«
Ich nahm das Angebot zur Konversation an und erklärte, dass ich hin und wieder nach Brighton müsse, sich aber meine Reise dorthin verschoben hätte. Er schien sehr daran interessiert, wo in Brighton ich zu tun hätte und wen ich dort kennen würde. Vor allem aber testete er meine Ortskenntnis. Ich ließ mich nicht lumpen. Ich hätte jeden Straßennamen aufsagen können, wenn man mir die Reihenfolge der Farben, in der die Häuser gestrichen waren, genannt hätte. Die Männer tauschten Blicke aus.
Sabrina brachte den Männern ihren Kaffee und den Kuchen. Sie war noch immer gereizt. Ich schnippte mit den Fingern. »Für mich bitte auch noch einen.« Aber sie war schon wieder weg.
Der Kleinere lauschte weiter meinen Erzählungen. Ohne hinzusehen, steckte er die Kekse in seine Manteltasche. Dann nahm er sein Stück Kuchen und ließ es in seinem Kaffee versinken. Den Teller reichte er stumm an den Steinmann.
Der legte den Teller kopfüber auf seinen Kuchen, griff beide Teller wie einen Burger und biss herzhaft hinein. Es knirschte und klirrte. Der Krach war bis zum Tresen zu hören. Sabrina schaute erschrocken zu uns rüber. Dann wurde sie sauer und stürmte in die Backstube.
Der Steinmann kaute genüsslich auf den Scherben. Die Splitter spritzten bis zu mir herüber. Ich wich zurück. Was waren das für Leute? Der Kleinere ließ seine Halswirbel knacken. Dann richtete er sich auf, legte den Kopf in den Nacken und schüttete seinen Kaffee samt Kuchen in seinen Schlund.
Sabrina kam angestürmt und brachte Iwan mit. Beide sahen zornig aus. Das roch nach Ärger – ich presste mich in die Polster und wollte verschwinden.
Iwan blieb abrupt stehen. »Du bist hier nicht willkommen!« Er konnte also auch anders.
Der Kleinere tupfte seine Mundwinkel, bevor er sich umdrehte und die Arme ausbreitete. »Hallo Iwan …«
Aber Iwan ließ sich auf keine Spielchen ein. »Du bist hier nicht willkommen, Ryder!« Er fauchte in Richtung des Hünen. »Und er auch nicht!«
Der Große brummte wie ein Elefantenbulle und erhob sich. Ich wollte hinter dem Tisch hervor, aber der Steinmann schob ihn gegen mich und klemmte mich ein. Er knurrte und bewegte sich auf Iwan zu. Sabrina trat vor. In ihrer Hand hielt sie eine Flasche Essig – bereit sie zu werfen. Der Große wuchs weiter. Sein Hut fiel herunter und gab sein Gesicht frei. Die anderen Gäste wichen aufgeregt zurück. Ich stemmte mich gegen den Tisch und versuchte, mich zu befreien.
Der Kleinere hob beschwichtigend die Hände. »Bleib ruhig!« Es war nicht klar, ob er Iwan meinte, oder den Steinmann. Er deutete auf die Essigflasche. »Ich bin sicher, das ist nicht nötig.«
»Raus!« Iwan zeigte zur Tür. »Beide!«
Der Kleinere blickte zwischen Sabrina und Iwan hin und her. »Kann ich Alice sprechen?«
Iwans Augen glühten. »Treib es nicht auf die Spitze, Ryder.« Er trat drohend einen Schritt vor und zeigte erneut zur Tür. »Verschwindet! Erzählt niemandem, dass ihr hier wart.«
Sabrina lauerte gespannt, wie die beiden reagieren würden.
Ryder zögerte kurz, nickte aber und wandte sich dem Großen zu: »Komm! Und bring ihn mit!« Er zeigte auf mich.
Sabrina knurrte und holte mit der Flasche aus.
Iwan griff ihr in den Arm. »Nicht!«
Ryder ging eilig voraus. Der Große griff mich am Kragen und zerrte mich hinter dem Tisch hervor. Ich versuchte mich festzukrallen, konnte die Tischplatte aber nicht greifen, wurde herum gerissen und schlug auf dem Boden auf. Der Große riss mich hoch und zerrte mich hinter sich her. Die anderen Gäste wichen zur Seite. Ich hing in der steinernen Pranke fest, wehrte mich und rief um Hilfe. Keiner stellte sich uns entgegen.
Sabrina schrie zornig auf und warf die Flasche nach nach dem Steinmann. Die Flasche zerbrach an seinem Rücken und tränkte den Mantel mit Essig.
Der Steinmann rannte los. Ich stieß gegen Stühle und versuchte, mich an den anderen Gästen festzukrallen. Aber die wichen zurück. Schließlich konnte ich mich losreißen, doch Ryder schnitt mir den Weg ab und warf mir einen der Stehtische vor die Füße. Ich stolperte und schlug hin. Der Steinmann packte mich und zerrte mich vor die Tür. Draußen warf er mich auf das Pflaster und zerrte sich den Mantel herunter. Ryder war sofort bei ihm.
»Wie sehr hat es Dich erwischt?«
Der Mantel hatte das Schlimmste verhindert, aber wo der Essig durch den Stoff gedrungen war, schäumte der Kalkstein. Der Steinmann brummte vor Schmerz und schlug wütend mit der Faust ein Stück Putz aus der Fassade. Dann wandte er sich wieder mir zu, riss mich vom Boden hoch und schleuderte mich gegen die Wand. Ich schlug mit dem Kopf dagegen. Tränen schossen mir in die Augen und es tropfte mir warm in den Nacken. Ryder legte dem Steinmann die Hand auf den Arm; der lockerte den Griff.
Ich war froh, wieder Luft zu bekommen. »Bitte … was wollt ihr von mir?«
Ryder grinste mich an. »Nur eine Kleinigkeit.«
Neben uns wurde die Tür aufgerissen und ein Mantel und zwei Hüte flogen auf den Gehweg. Ich konnte Iwan auf die Gäste einreden hören. Die Tür schloss sich wieder und die Rollos wurden herunter gelassen.
Die ließen mich hier draußen allein mit denen …
Ryder bemerkte das und lächelte zufrieden. Dann griff er seinen Mantel, zog ihn über und wühlte in den Taschen.
»Wenn Du nach Brighton fährst,« erklärte er, »gehst Du dort zum Friedhof und suchst einen Grabstein ohne Daten. Nur ein Name steht drauf: Duncan Smith.« Ryder holte einen Umschlag aus der Tasche und lächelte wieder. Dann hob er den Mantel des Steinmannes auf. »Den Grabstein stößt Du um.«
Ich versuchte, mich aus dem Griff des Riesen zu befreien. »Ihr seid doch irre!«
Doch der Riese hielt fest und Ryder fuhr fort. »Unter dem Stein findest Du ein Schlüsselloch.« Dazu zauberte er einen Schlüssel aus dem Mantel.
Ich wand mich weiter.
»Mit diesem Schlüssel öffnest Du die Pforte.«
Ich gab auf. »Welche Pforte?« Der Steinmann ließ etwas locker.
Ryder verdrehte die Augen. »Na die zu Smith’ Garten …« Er und der Steinmann sahen sich an. Dann seufzte Ryder und tätschelte meine Wange. »Es ist doch gar nicht so schwer: Du suchst den Stein, stößt ihn um, steckst den Schlüssel in das Loch. Die Pforte öffnet sich und Du gehst hinein. Du wirst eine Weile suchen müssen, aber schließlich wirst du Smith finden.« Er kicherte und zwinkerte mir zu. »Folge einfach dem weißen Kaninchen.«
Es gelang mir nicht, das alles einzuordnen. »Ich stoß doch keine Grabsteine um …«
Der Steinmann griff wieder fester zu und brummte. Ich unterdrückte einen Schrei.
»Doch!«, fuhr Ryder ruhig fort: »Das musst Du ja. Sonst kommst Du nicht zu Smith.«
»Was soll ich bei Eurem Smith?« Der Steinmann lächelte jetzt auch und wieder klang es nach Ziegeln. Ryder hielt mir eine Schriftrolle vor die Nase und stupste mir gegen die Brust. »Ihm das hier geben.«
Ich sackte zusammen. »Das ist alles?«
Ryder grinste und klatschte dem Großen auf die Schulter. »Na endlich hat er es begriffen.« Dann steckte er Rolle und Schlüssel in meine Hemdtasche. »Keine große Sache, was?« Der Steinmann ließ mich los.
Ich riss das Zeug heraus und warf es zu Boden. »Einen Teufel werde ich …«
Wieder flog ich gegen die Wand.»Genug jetzt!«, zischte Ryder.
Er gab dem Steinernen ein Zeichen. Der packte mich und hob die Faust. Meine Knie gaben nach, aber er hielt mich aufrecht. Dann biss er seinen Daumen ab. Ich schrie auf, doch Ryder presste seine Hand auf meinen Mund. Wo der Daumen gewesen war, prangte ein schwarzer Dorn.
Der Steinerne legte seine Pranke auf meine Schulter, packte zu und bohrte den Dorn unter mein Schlüsselbein. Ich brüllte durch Ryders Hand hindurch.
Der schüttelte wütend den Kopf. »Pscht!« Er drückte fester zu.
Als ich mich beruhigt hatte, ließen sie von mir ab. Ryder holte ein Bündel alter Pfundnoten aus dem Umschlag und steckte sie in meine Hosentasche. »Für Deine Auslagen.« Ich sackte auf den Gehweg. Der Steinerne griff nach seinem Hut.
Ryder ging auf die Straße und hob den Arm. »Taxi!« Dann drehte er sich noch einmal zu mir um. »Geh zu Smith, wenn Du leben willst! Bring ihm die Rolle!« Er starrte mich an und dann das Wonderland. Schließlich zuckte er mit den Schultern und wandte sich ab. Ich verlor die Besinnung.

***

Der Arzt hat mir nicht glauben wollen und gedroht, die Polizei zu rufen. Aber ich konnte ihn davon abhalten. Er hat mir den Kopf genäht, ein Antibiotikum und eine Salbe verschrieben. Vielleicht hilft es, aber es geht mir dreckig. Die Wunde hat sich entzündet und unter der Haut wächst etwas und verästelt sich. Mittlerweile hat es schon meine halbe Brust eingenommen.
Ich starre auf den Becher in meiner Hand und friere am Gleis 13; muss warten und verfluche den Southern Rail Streik. Mindestens zwei Stunden bis Brighton.
Ein Mann rempelt mich an. Ich erschrecke und taste hektisch meine Taschen nach dem Ticket ab. Ryders Schlüssel halte ich umklammert.
Der Mann bleibt vor mir stehen und mustert mich. Lange. Er scheint verwirrt zu sein. Immer wieder schüttelt er den Kopf, läßt aber nicht den Blick von mir. Ich muss schrecklich aussehen.
Schließlich fummelt er einen Umschlag aus der Manteltasche und reicht ihn mir. Ich bin so verdutzt, dass ich zugreife. Der Mann greift sich stumm an den Hut und nickt mir zu. Dann läßt er mich stehen. Ich schaue ihm verwundert nach.
Der Umschlag liegt schwer in meiner Hand. Er hat ein ungewöhnliches Format. Die Handschrift ist altertümlich und ich habe Mühe, sie zu entziffern:
»An Mr. Duncan Smith« …

 

Das Problem mit diesen Keksen – sie sind zu lecker und deshalb schnell gegessen! Andererseits geht das Backen super schnell, weswegen ich sie bestimmt noch öfter machen werde. <3

Ingwerkekse
Wat de brauchst
330g Mehl und 20g (4TL) Backpulver (oder 350g selfraising flour)
225 g Zucker
1 TL Natron (Alternativ 2 TL Backpulver)
2 TL gemahlener Ingwer
125g Butter
2 EL Golden Syrup (oder Zuckerrübensirup als traurige Alternative)
1 Ei

Wat de mach’n musst
Ohne Hitze kann man nicht backen und das gilt auch für diese Kekse. Dein Ofen sollte mindestens 170°C aufbringen können. Kann er das nicht, brauchst Du nicht weiter zu lesen. Kann er es aber, dann lass ihn auf 170°C vorheizen. Hat er Umluft, reichen 160°C.
Die Butter bei niedriger Temperatur schmelzen lassen.
In England kann man self raising flour kaufen. Klingt geheimnisvoll; ist es aber nur Mehl, dem schon Backpulver beigemengt ist. Wir können das ganz leicht selber machen, indem wir Mehl und Backpulver zusammen in eine Schüssel sieben. Dazu kommt der Zucker, das Natron und das Ingwerpulver.
Noch ist das ganz schön trocken. Das ändern wir, indem wir die geschmolzene Butter, den Syrup/Sirup und das Ei zugeben und alles schön zu einem Teig verarbeiten.
Auf einem gefetteten Blech etwa 10 walnußgroße Kugeln des Teigs mit ordentlich Abstand zueinander auslegen. Anschließend die Kugeln mit einer Gabel plätten (jetzt ist nicht die Zeit, das zu hinterfragen).
Ab in den warmen Herd damit und für 10—15min backen (oder bis die Plätzchen leicht golden braun sind)
Auf einem Gitter abkühlen lassen und wiederholen, bis der Teig aufgebraucht ist.

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